Zeitreise für Klassikfans
Das Festival Kissinger Sommer
Einen Monat lang steht die fränkische Barockstadt Bad Kissingen im Zeichen der musikalischen Prominenz der Welt. Nunmehr im 23. Jahr, erklingt an allen Spielstätten dieses traditionsreichen Orts Musik, soweit Ohr und Auge reichen.
Von Hannah Glaser
In den Prunksälen von Bad Kissingen feierte der Hochadel einst rauschende Feste, und das Gästebuch der Stadt liest sich wie ein “Who is who” der vergangenen Jahrhunderte. Im Juni ist das bayerische Staatsbad vier Wochen lang Schauplatz des 23. Klassik-Festivals Kissinger Sommer – mit Weltstars, Galas und sehr spannenden Avantgarde-Experimenten auf höchstem Niveau.
“Grüßen Sie mir Kissingen, ich habe dort herrliche Tage verlebt” sagte einst Bayernkönig Ludwig III., und er war nicht der einzige prominente Kurgast an der Saale. Kaiser und Könige schätzten das noble Ambiente, Zar Alexander I. kurte hier ebenso wie Kaiserin Sisi und Märchenkönig Ludwig II. Der alte Bismarck verlegte seine Amtsgeschäfte mehrfach in die charmante Wellness-Metropole des 19. Jahrhunderts, George Bernard Shaw, Tolstoi und Rossini ließen sich von der architektonischen Pracht und dem südlichen Flair verzaubern. Bis heute weht in Bad Kissingen ein Hauch von königlicher Sommerfrische durch Kurhäuser, Theater, Parks und Gärten. Und wer den Regentenbau betritt, mit seinen Arkaden und den fünf prachtvollen Konzertsälen, wundert sich nicht, dass Weltstars wie Cecilia Bartoli seit Jahren mit Vergnügen beim Kissinger Sommer zu Gast sind. Die Mezzosopranistin mit der temperamentvollen Bühnenpräsenz hat am 12. Juni virtuose Belcanto-Arien von Bellini bis Malibran im Programm und führt mit ihrer Gala “Die Revolution der Romantik” die Hitliste der Publikumsmagnete an.
Auch der neue Shootingstar der Opernbühne wird erwartet, die Afro-Amerikanerin Nicole Cabell, die in diesem Frühjahr als Musetta in “La Bohème” Anna Netrebko die Schau stahl. Die zauberhafte Frankfurter Sopranistin Christine Schäfer steht mit den Berliner Philharmonikern auf dem Programm. Und Klaus Maria Brandauer, der legendäre Mephisto und Altmeister des deutschsprachigen Theaters, lässt am 19. Juni das Verwirrspiel um Liebe und Leidenschaft in Shakespeares “Sommernachtstraum” lebendig werden.
Für vier Wochen wird die fränkische Kurstadt aber nicht nur zum Zentrum der internationalen Musikwelt, in der die Creme der Klassikinterpreten Hof hält. Bad Kissingen wird in diesem Sommer auch zum Treffpunkt experimentierfreudiger und lernwilliger Musikfreunde, die neben der “Klang-Werkstatt” auch bei dem neuen Zyklus “LiederWerkstatt” die Neue Musik aus dem Avantgarde-Getto befreien. So schaffen bei der LiederWerkstatt sieben zeitgenössische Komponisten Lieder nach einem vorgegebenen Thema, die während der einwöchigen Probenphase mit Sängern und Pianisten erarbeitet werden. Das Ergebnis ist am 28. und 30. Juni bei zwei Konzerten zu hören – gemeinsam mit Klassikern von Clara und Robert Schumann, Franz Schubert, Gustav Mahler und Richard Strauss.
Kissinger Sommer
Vielseitigkeit prägt das Programm des Kissinger Sommers. Etablierte Künstler und aufstrebender Nachwuchs zeigen vom 12. Juni bis 13. Juli ihr Können im Bayerischen Staatsbad.
Tickets und Info: Tel.: +49-(0)971-807-1110, www.kissingersommer.de









Einen Kommentar schreiben