Busch Trio: Durch dick und dünn

Foto: Alexander Popelier

Miteinander Pferde stehlen könnten die Jungs vom Busch Trio auch in ihrer Freizeit. Enge Beziehungen untereinander und zum Instrument sind aber auch Balsam für das Zusammenspiel.

Der Übergang von Arbeit und Vergnügen ist für Omri und Ori Epstein und Mathieu van Bellen fließend. Nicht nur, dass die drei Musiker des Busch Trios sich den persönlichen Traum, die Liebe zur Kammermusik zum Beruf zu machen, erfüllen konnten. Darüber hinaus sind sie Brüder, Vertraute und beste Freunde.

„Auch wenn wir gerade einen ganzen Monat zusammen geprobt haben und auf Tour waren – wenn wir nach Hause kommen, wollen wir immer noch mehr Zeit zusammen verbringen“, verrät Cellist Ori Epstein. „Dann gehen wir ins Fussballstadion oder unternehmen eine Radtour oder fahren gemeinsam in den Urlaub. Wir gehen zusammen durch die stressigen Zeiten. Deshalb wollen wir zusammen auch Dinge erleben, die einfach nur Spaß machen.“

Die Brüder Omri und Ori Epstein wurden in Israel geboren, der Geiger Mathieu van Bellen kommt aus Südholland. In London haben sich die drei vor zehn Jahren kennengelernt und eine enge Freundschaft geschlossen. Mittlerweile hat das Trio seinen Lebensmittelpunkt nach Brüssel verlegt und genießt die Lebendigkeit der klassischen Musikszene dort. Viele weitere Türen haben sich seitdem für die Musiker geöffnet, unter anderem steht momentan ein Projekt im Fokus, das einen Zyklus mit Aufnahmen sämtlicher Kammermusikwerke mit Klavier von Antonín Dvořák beinhaltet. Ein Album mit den beiden späten Klaviertrios ist bereits im Kasten, aktuell war das Trio gemeinsam mit dem Bratschisten Miguel da Silva für die Einspielung der Klavierquartette von Dvořák im Studio. „In Dvořáks Musik haben wir eine Natürlichkeit und Fülle entdeckt, die sehr gut zu dem Entwicklungsstadium passt, in dem wir uns als Trio befinden“, erklärt Omri Epstein. „Wir sind noch sehr jung, müssen viel lernen und Erfahrungen sammeln. Dvořák hat immer seinen eigenen Kopf gehabt und seinen Emotionen freien Lauf gelassen. Wir mögen diesen freien Geist, der in seiner Musik spürbar ist, sehr. Sie hat zugleich Tiefgang und tänzerische Leichtigkeit.“ Wenn die drei nicht proben, feilen sie im Unterricht bei Eberhard Feltz, András Schiff und dem Artemis Quartett an ihren Interpretationen und lassen sich von den erfahrenen Kollegen Tipps für die Karriere als Kammermusiker geben.

"Auch wenn wir gerade einen ganzen Monat zusammen geprobt haben und auf Tour waren – wenn wir nach Hause kommen, wollen wir immer noch mehr Zeit zusammen verbringen"

Wenn man als Klaviertrio durch die Konzertsäle tourt, spielt die Qualität des Flügels eine wichtige Rolle, sind sich die drei Musiker einig. „Besonders beschäftigt es mich, wenn der Flügel wirklich sehr schlecht oder ausgesprochen gut ist“, erzählt Omri Epstein. „Ansonsten habe ich meine eigene Klangvorstellung, auf die ich mich verlasse und konzentriere. Manchmal hilft mir das Instrument sogar dabei, meine Klangvorstellungen noch zu präzisieren.“

Ori Epstein hat stets sein Cello von Giovanni Battista Cerruti an seiner Seite und die späte Guadagnini-Geige von Mathieu van Bellen, die einst im Besitz von Adolf Busch war, hat dem Trio sogar seinen Namen beschert. „Das eigene Ins­trument ist viel mehr als nur ein Instrument“, sagt Mathieu van Bellen versonnen. „Es ist wie jemand, mit dem man eine Beziehung führt. Auf der Violine zu spielen, die von Adolf Busch gespielt wurde, ist schon ein sehr besonders Gefühl. Ich liebe die Art ihres Klangs und die vielen Klangfarben, die sie mir ermöglicht. Wir passen einfach sehr gut zusammen. Sie ist vielleicht nicht die lauteste Violine, aber es steckt eine ganz besondere Tiefe in ihrem Klang – und auch eine Menge Weisheit.“

Aktuelle CD:

Busch Trio, Miguel da Silva:
„Dvořák: „Piano Quartets op. 23 & 87“

(Alpha)

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