Bordkonzert

Beim Ocean Sun Festival musizieren Klassikstars an Deck eines Kreuzfahrtdampfers. Auch unser Kolumnist wagte sich aufs Schiff und entdeckte die Nachteile des Seegangs.

Mr. Hope, ist das wahr? Sie weilten gerade auf einem Kreuzfahrtschiff?

Ja, unglaublich, oder? Wenn man mich vor ein paar Jahren gefragt hätte, dann hätte ich gesagt, niemals gehe ich auf ein Kreuzfahrtschiff. Aber ehrlich gesagt: Es ist es sehr schön, es gibt Kreuzfahrtschiffe, und dann gibt es die MS Europa.

Wie ist so eine Reise aus Sicht eines Künstlers?

Traumhaft. Ich weiß noch, wie Pianist Pierre-­Laurent Aimard eines Morgens zum Sonnenaufgang ein Rezital mit Werken von Franz Liszt auf dem Deck spielte. Ich glaube,­ er selbst war genauso angetan von dieser Stimmung wie das Publikum. Ich selbst übrigens auch.

Pierre-Laurent Aimard zum Sonnenaufgang, nicht schlecht. Welche Künstler waren noch mit an Bord?

Die Fahrt findet im Rahmen des Ocean Sun Festivals statt, da sind seit Jahren viele Künstler an Bord. Mein Freund und Kompagnon bei vielen Konzerten, Pianist ­Sebastian Knauer, war dabei, dann das ­Casal Quartett aus Zürich, Gabriela Montero und der Tenor Michael Schade, den ich auch sehr schätze, und Los Romeros. Auch Thomas Quasthoff sollte mit an Bord kommen, musste aber leider aus gesundheitlichen Gründen absagen.

Ist es nicht schwierig, auf einem Schiff konzentriert zu musizieren?

Eigentlich nicht, aber bei meinem Konzert mit Sebastian Knauer gab es heftigen Seegang. Ich hatte wirklich Schwierigkeiten, die Balance zu halten. Ich selbst stehe ja immer, hatte es also wesentlich schwerer als der ­Pianist, der sitzen kann. Es ist schon ein eigenartiges Gefühl, spielend zu schwanken, aber der Kapitän hat uns doch sicher und sanft weitergeführt.

Wie war die Route?

Die gesamte Kreuzfahrt führte von Barcelona­ quer durch das Mittelmeer zurück nach Nizza. Ich bin erst auf Malta zugestiegen, dann sind wir über Sizilien, Sorrent, Pompeji nach Sardinien gefahren. Zufälligerweise traf ich auch Herrn und Frau Adler an Bord, die legendären Konzertagenten von Karajan, Menuhin, Barenboim und vielen anderen, die ich seit meinem achten Lebensjahr kenne.

Was hat Ihnen am besten gefallen?

Wir hatten eine Situation, die werde ich nie vergessen: Unsere Reise führte ja auch nach Stromboli, der Vulkaninsel nahe ­Neapel. Als wir Nachts bei Vollmond vorbeifuhren, kam es zum Vulkanausbruch, wir waren quasi live dabei, ein Naturspektakel, das unvergleichbar ist. Ich stand gerade mit Pierre-Laurent Aimard oben an der Reling, und wir waren einfach nur fasziniert.

Sie spielen angeblich auf einer neuen Geige.­ Um welches Exemplar handelt es sich und war es mit an Bord?

Selbstverständlich war sie mit an Bord. Eine schöne „Taufe“, oder? Die Violine nennt sich „Ex- Lipinski“, sie hat ihren Namen vom weltberühmten Geiger Karol Lipinski, der auf ihr schon mit Niccolò Paganini, Franz Liszt, ­Robert Schumann und Fréderic Chopin zusammen gespielt hat. Sie stammt aus der Manufaktur des italienischen Geigenbaumeisters Guarneri del Gesù, Jahrgang 1742.

Gehen Sie bald wieder auf Kreuzfahrt?

Ja, tatsächlich nehme ich meinen Urlaub über Weihnachten und Silvester und spiele wieder auf der MS Europa, diesmal in Mittel­amerika, wir fahren durch den Pana­makanal, Costa Rica, und nach Mexiko. Nach der Erfahrung vergangene Woche freue mich schon darauf. Jetzt kriege ich einfach nicht genug davon!

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