Geigen im Panamakanal

Gäbe es für ihn Kilometergeld, wäre unser Kolumnist schon Milliardär. Das neue Jahr begrüßte Hope samt Geige natürlich in der Ferne – in Mittelamerika.

Hallo Herr Hope,­ die Fotos, die Sie gerade gemailt haben, sehen diesmal fast nach Urlaub aus …

Ja, ich habe mir auch ein wenig Auszeit gegönnt nach diesem anstrengenden Jahr 2011. Ich weilte schon wieder auf einem Kreuzfahrtschiff, diesmal in Mittelamerika. Ich habe viel gelesen, unter anderem das neue Buch von meinem Vater, es heißt „Shooting Angels“, ein Roman über die Apartheid in Südafrika.

Ihr Vater ist Schriftsteller?

Ja, er hat bereits über zwanzig Bücher veröffentlicht und gewann viele Preise. 1974 sind wir ja aus Südafrika geflüchtet. Er war Anti-Apartheid-Kämpfer, seine Bücher wurden verboten und er wurde von der Regierung schikaniert.

Kommen Sie auch vor in diesem Buch?

Diesmal nicht. Ich habe mich aber in ein paar anderen Werken von ihm schon wieder entdeckt.

Sie haben ebenfalls schon mehrere Bücher veröffentlicht! Haben Sie das Talent zum Schreiben also von ihrem Vater geerbt? 

Ich möchte hoffen, ja. Wobei er wirklich ein Meister des Schreibens ist, ich bin Geiger, der gelegentlich gerne schreibt. Mein Vater hat uns aber immer ermutigt, unsere eigene Meinung zu sagen.

Wie oft sehen Sie Ihren Vater?

Leider viel zu selten. Aber demnächst bei meinem Festival in Savannah in den USA, Ende März. Dort kommt er immer sehr gerne hin, auch weil er die verschiedenen Musik­genres liebt, die wir dort haben.

Zurück zu Ihrer Reise: Ist das der Panama­kanal auf dem Foto? 

Ja. Ein sehr beeindruckender Ort. Es ist unglaublich, wie langsam man durch die 86 Kilometer lange, dünne Wasserstraße fährt. Wir sind morgens um sechs Uhr rein und erst abends um zehn waren wir durch. Man wird ab und zu sogar von einem Kran gezogen, weil es bei großen Schiffen um Milli­meter geht. Und dann passiert man das Gefängnis, in dem der Ex-Diktator Manuel Noriega sitzt.

Und haben Sie dann am Ende der Durchquerung ein Konzert an Deck gegeben? 

Nein, nicht direkt am Ende, aber wir haben drei klassische Konzerte während der Reise gegeben, diesmal eher das romantische Programm, Schumann, Brahms und Joachim.

Welche anderen Künstler waren noch an Bord?

Ich habe zusammen mit dem Pianisten Sebastian Knauer konzertiert und der wunderbare Bariton Nikolay Borchev gab Lieder­abende mit Wolfram Rieger. Der auffälligste Künstler aber war ein gewisser Peter Kraus, er scheint in Deutschland so etwas wie der zweite Elvis zu sein.

Naja, nicht ganz. Außerdem ist er Österreicher …

Er hat auf jeden Fall jeden Morgen ziemlich viele Autogramme geben müssen.

Bestimmt. Wohin geht es als nächstes?

Ich spiele das Britten Konzert in London und Bergen, in Norwegen, danach geht es in die Loire-Region in Frankreich, dann New York und von dort nach Peking, Shanghai und Tokio.

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