Lauter Dealer!

Fragt man den Mann auf der Straße, ob er den Namen eines Herstellers von Musik­instrumenten kennt, bekommt man meist zwei Namen zu hören: Fender oder Stradivari. Während Fenders Name, dank einiger Rockgitarristen einer breiten Masse am ehesten geläufig ist, ist es Stradivari, der allgemein bekannt ist. Warum? Einer der Gründe ist: Geld.

Weil die Violine in der Barockzeit eine so wichtige Rolle spielte, blühte auch der Instrumentenbau. In mehreren italienischen Städten gab es Spezialwerkstätten, in denen Geigen von höchster Qualität angefertigt wurden und deren Klang bis heute unübertroffen geblieben ist. Zentrum des Geigenbaus war Cremona, wo die geheimen Anleitungen zur Herstellung von einer Generation zur nächsten weitergegeben wurden und gleich drei berühmte Manufakturen ansässig waren: Amati, der als Quasi-Erfinder der Violine gilt, Guarneri, der sich „del Gesù” nannte und Stradivari.

Instrumente aus ihrer Produktion sind noch heute in Gebrauch – Traum aller Geiger und immens viel wert. Laut der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, soll vor kurzem ein russischer Oligarch binnen zwei Wochen insgesamt 18 Millionen Dollar für eine del Gesù und eine Stradivari ausgegeben haben. Nichts gegen das kürzlich erfolgte Angebot der Firma Bein & Fushi in Chicago für eine einzelne Guarneri del Gesù aus dem Jahre 1741, zum selben Preis. Ich habe auf diesem Instrument gespielt: Diese Guarneri ist unglaublich, ein absolutes Meisterwerk. Aber 18 Millionen Dollar …?! Billig waren Stradivari-Geigen schon zu Lebzeiten des Meisters nicht. Man schätzt, dass Stradivari in seinen dreiundneunzig Lebensjahren gemeinsam mit seinen Söhnen etwa 1200 Geigen gebaut hat, von denen noch die Hälfte existiert. Immer wieder ist versucht worden, das Geheimnis ihres Klangs zu ergründen und herauszufinden, ob beispielsweise das verwendete Ahorn- und Fichtenholz oder die Rezeptur des zur Lackierung aufgetragenen Firnis ausschlaggebend sind. Gelöst allerdings ist das Geheimnis seiner Wunderwerke bis heute nicht, selbst mit modernster Computertechnologie lassen sich Stradivari-Originale angeblich nicht klanglich nachbauen. Und wo ein solches Instrument, gerade in Zeiten einer Finanzkrise, einen ständig steigenden Wert darstellt, gibt es manche, die davon noch mehr profitieren wollen: die Geigenhändler. Schon seit Jahren wird mir immer wieder von faulen Geschäften in der Unterwelt des Instrumentenhandels berichtet. Milliardenschwere Sammler, die um Millionen gebracht werden, indem Dealer Instrumente unter Wert schätzen, dann ankaufen und mit riesigem Profit weiterverkaufen. Oder Händler, die in Teufels Küche gekommen sind, weil sie berühmten Geigern, ein Instrument für viel Geld abgekauft haben … und dann mit einer Fälschung dastanden. Am Ende sind es aber die jungen Musiker die am meisten leiden, weil sie kaum noch an solche Instrumente herankommen können. Umso mehr müssen Förderprojekte, wie die der Stiftung „Deutscher Musikinstrumentenfonds“, unterstützt werden, wo wertvolle Streichinstrumente, viele davon aus alten Familienbesitzen, jungen Musikern kostenlos zur Verfügung gestellt werden. Nur so hat die Welt und die Musik eine Chance, von Stradivaris einmaligem Talent wirklich profitieren zu können, so, wie es damals gedacht war.

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