Daniel Hope: Raketenstart auf Schloss Ulrichshusen

Foto: Harald Hoffmann

Unser Kolumnist traf Helmuth von Maltzahn, der vor über 25 Jahren das Schloss Ulrichshusen erwarb und daraus eine der wichtigsten Konzertstätten der Festspiele Mecklenburg-Vorpommern machte.

Helmuth, du bist Herz und Seele dieser Festspiele. Kannst du dich erinnern, wie es war, das Schloss Ulrichshusen für die Musik zu öffnen?

Die Zeit für so ein Unterfangen konnte günstiger nicht sein: Nach der Öffnung des Ostens war hier ein regelrechter Kulturhunger. Da war es unglaublich wichtig, jemanden zu finden, der diesen Hunger stillen konnte. Und das war kein Geringerer als Yehudi Menuhin. Er wurde eingeladen, er kam – und es wurde ein wundervoller Abend!

Als ich vor knapp 20 Jahren zum ersten Mal hierherkam, gab es noch nicht einmal ein Dach auf dem Schloss. Jetzt gibt es ein riesiges Gelände mit einer fantastischen Scheune, einem herrlichen Schloss, bald auch einem neuen Konzertsaal. Hättest du damals gedacht, dass es so weit kommt?

Nein. Einerseits. Andererseits: Wir haben damals sozusagen eine Rakete gestartet, und die kannst du natürlich hier, auf einem Flächenland mit wenig Bevölkerung, viel besser hochgehen lassen als etwa in Berlin. Da wird jeden Tag eine gestartet, aber keiner guckt hin. Trotzdem habe ich oft gedacht: Wie kriege ich das nächste Jahr überhaupt rum – finanziell als auch
konzeptionell …

Du bist aber auch bekannt als jemand, der Dinge einfach hinbekommt. Weißt du noch, als ihr hier dieses Zelt aufgebaut hattet und dann dieser Orkan kam?

Und ob …

… wir haben da auf der Bühne gespielt und einfach nur gebetet, dass das Zelt nicht weggeweht wird. Du hast damals gesagt, es wird halten, und es hat
gehalten. Gab es ähnliche Herausforderungen?

Immer wieder, klar. Man muss die Zügel in der Hand behalten. Das ist letztlich die große Herausforderung: sich gleichzeitig um die verschiedensten Themen zu kümmern – von der Finanzierung über das Management und den Wiederaufbau bis hin zur allerwichtigsten Aufgabe, nämlich die Menschen mitzureißen.

Hast du dir von anderen Konzertorten Ideen und Inspirationen geholt?

Ich habe Menuhin sehr früh kennengelernt in England bei gemeinsamen Freunden von uns. Ich war Mitte der sechziger Jahre als junger Schüler dort eingeladen, um Englisch zu lernen. Da erzählte Menuhin mit großer Hingabe von Glyndebourne, einem Festival auf dem Lande. Das fand ich spannend. Später habe ich dann miterlebt, wie in Schleswig-Holstein und an anderen Orten die Festivals abseits der großen Städte entstanden.

Und dann kam die Öffnung des Ostens.

Genau. Da wurde mir bewusst, wie sinnvoll es wäre, an diesem Ort eine Kulturstätte zu errichten. Was man dabei auch nicht vergessen darf: Kultur ist ein unglaublich interessanter und wichtiger Motivations- und Wirtschaftsfaktor.

Und wenn es dann dagegen Zeiten gibt, wo keine Konzerte hier sind, geht es dann zum normalen Hotelbetrieb über?

Natürlich konzentriert es sich hier hauptsächlich auf die Konzerte, dann haben wir so an die 17.000 Besucher. Aber ich frage mich schon, wie ich das alles hier in Richtung Glyndebourne bekomme. Deshalb baue ich auch die verschiedenen Einrichtungen. Und wir sind auf einem guten Weg, jetzt gemeinsam mit Markus Fein, nicht nur zentrale Spielstätte der Festspiele Mecklenburg-Vorpommern zu werden. Die nächsten 25 Jahre bleiben also spannend.

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