Das Faust-Festival München

Foto: Faust-Festival, Robert Haas

In München dreht sich ab Februar ein halbes Jahr lang alles um Goethes Faust. Am einzigartigen Festival sind alle von der Bayerischen Staatsoper bis zur Paulaner-Brauerei beteiligt.

Niemals hätte Roger Diederen mit den Wellen gerechnet, die seine Idee schlagen würde: Bei den Vorbereitungen zur Ausstellung „Du bist Faust“ wurde dem Direktor der Münchner Kunsthalle vor zwei Jahren klar, wie aktuell und vielfältig Goethes Drama als Inspirationsquelle ist. Seine Idee, das Thema über den Rahmen seiner Räume hinaus auch andernorts neu zu interpretieren, begeisterte nicht nur Max Wagner, damals frisch gebackener Geschäftsführer des Gasteig. Bereits beim ersten Treffen mit potenziellen Kooperationspartnern Ende 2016 „war die Bude voll“, erinnern sich die beiden. Beim zweiten kamen 300 Gäste. Auch die Zahl möglicher Veranstaltungen nahm rasant zu – von 100, die Diederen und Wagner anfänglich für „ambitioniert“ hielten, auf mehr als 500. „Wir wollen den Stoff öffnen, frisch und auch mit einem Augenzwinkern angehen“, erklärt Anna Kleeblatt, die als Projektleiterin mit ins Boot geholt wurde und ihr Netzwerk einbrachte. „Dabei kann jeder über alle Sparten und Genres hinweg mitmachen.“

Der Gasteig, der unter Wagner explizit die Schwelle niedrig setzen will und Kulturvermittlung als seine wichtigste Aufgabe versteht, wird das Festival-Zentrum. Highlights im fünfmonatigen Event-Reigen sind vom 23. Februar bis 29. Juli neben der großen Ausstellung in der Kunsthalle Beiträge renommierter Institutionen – egal ob Martin Kušejs Faust-Inszenierung am Residenztheater oder Aufführungen von Mefistofele mit Erwin Schrott in der Bayerischen Staatsoper. Darüber hinaus gibt es breitgefächerte Angebote unterschiedlichster Veranstalter, die allesamt auf ihre Weise aktiv werden: Im Paulaner am Nockherberg wird beispielsweise als Spezialbier „Faustus“-Weizenbock gebraut und über Wochen hinweg ausgeschenkt. Beim Faschingszug Anfang Februar stellen Teilnehmer des Münchner Galerie Theaters Fausts Himmelfahrt dar. Ab Ende Februar ermöglicht Klangkünstler Mathis Nitschke Smartphone-Besitzern Hörspaziergänge namens „Vergehen“. Im Rahmen des Gute Stube Erzählfestivals suchen Gabi Altenbach und Ines Honsel nach der Geschichte, die Goethe zu seinem wichtigsten Werk inspirierte. Und mit einer „Ein-Frau+Puppen-Voll-Playback-Show“ bereitet Bridge Markland den Stoff ab Mitte April unter anderem in der Stadtbibliothek für die Generation Popmusik auf.

„Das Gesamtergebnis ist mehr als die Summe seiner Teile“, freut sich Max Wagner über so viel Einfallsreichtum. „Der Charme des Festivals ist, dass wir bewusst auf die Auswahl durch Kuratoren verzichtet haben.“ Dabei sind alle 120 Partner sowohl organisatorisch als auch finanziell selbst für ihre Programmbeiträge verantwortlich. Eine gemeinsame Website erlaubt Zugriff auf eine detaillierte Datenbank mit allen Terminen, Inhalten und Veranstaltern. Überdies wird das Festival mit Plakaten und Flyern beworben, die das Logo mit einem im Comicstil gedruckten Schriftzug auf reclamheftgelbem Grund tragen – für die Organisatoren ebenfalls ein Ausdruck ihrer Überzeugung, wie „heutig und relevant“ Goethes Klassiker ist. Dass das „Faust-Fieber“ derart viele Menschen infiziert hat, entschädigt Roger Diederen und Max Wagner dafür, dass sie neben ihren Hauptaufgaben „wahnsinnig viel Zeit“ in die Vorbereitung des Festivals gesteckt und „Nächte durchgeplant“ haben. Und Anna Kleeblatt attestiert eine „unglaublich schöne Arbeit, die viele neue Verbindungen geknüpft hat“.

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