Der Filmmusik-Titan: Alexandre Desplat

Foto: Xavier Forcioli

Er komponierte die Musik zu Blogbustern wie Harry Potter, The King´s Speech oder Grand Budapest Hotel. Oscar-Preisträger Alexandre Desplat passt sich seiner Umgebung an wie ein Chamäleon – und springt auch mal als Nebendarsteller bei seinem Kumpel George Clooney ein.

„Hello, it’s Alexandre Desplat.“ Die Stimme am anderen Ende der Leitung ist warm und weich. Eine mediterrane Brise rauscht im Hörer. Der französische Filmkomponist ist gerade in Griechenland, der Heimat seiner Mutter, und geht spazieren. Dort im sonnigen Süden hat Alexandre Desplat alles, was er braucht, um Inspiration für neue musikalische Ideen zu schöpfen. „Ein schöner Ausblick aus dem Fenster, ein Biomarkt in der Nähe, das reicht mir schon“, schmunzelt er.

Zu Beginn seiner Karriere dachte Alexandre Desplat noch, dass er außerhalb seines eigenen Studios niemals die Ruhe zum Komponieren finden könnte, doch mittlerweile geht das überall und zu jeder Zeit und er passt sich seiner Umgebung an wie ein Chamäleon. Dann zieht er sich in seine innere Welt zurück, in der die Musik entsteht, mit der er in den letzten 15 Jahren so farbenreich und märchenhaft viele große internationale Filmproduktionen bereichert hat. Schon als Kind hatte Alexandre Desplat einen besonderen Bezug zu dieser inneren Welt. „Ich war ein zurückhaltender Junge mit zwei älteren Schwestern. Ich habe immer gerne in meinem Zimmer gesessen und gemalt, das war für mich wie Atmen. Und dann ist in mir die Liebe zur Musik gewachsen, die immer um mich herum war. Mit ihr konnte ich all dem, was in mir vorging, Ausdruck verleihen.“

Alexandre Desplats musikalische Handschrift transportiert bis heute unverkennbar seine fantasievolle Gabe, mit Klängen magische Stimmungen entstehen zu lassen. In sein Portfolio gehört unter anderem die Musik zu Der seltsame Fall des Benjamin Button, die Soundtracks zu den Harry-Potter-Verfilmungen, The King’s Speech, Der Gott des Gemetzels oder Florence Foster Jenkins. Zuletzt hat er die Musik für Valerian and The City of A Thousand Planets von Luc Besson geschrieben. „Mit Luc Besson zu arbeiten ist ein unvorstellbares Vergnügen. Seine leidenschaftliche Begeisterung für die Musik ist so inspirierend, er legt sein ganzes Herz ins Kino, das entspricht sehr der Art, wie ich arbeite.“

Von außen betrachtet wird oft die Filmmusik für Das Mädchen mit dem Perlenohrring als der Schlüsselmoment in seiner Karriere gesehen, der ihm 2003 den internationalen Durchbruch bescherte. Für Desplat ist es jedoch ein persönliches Ereignis, das ihn als Komponisten geprägt hat: „Als ich meine Frau Solrey Lemonnier kennengelernt habe, da hat sich für mich alles verändert. Sie ist seitdem immer mein „erstes Ohr“ und meine schonungsloseste Kritikerin. Als künstlerische Leiterin der Produktionen ist sie immer im Studio dabei und als Geigerin war sie Konzertmeisterin in den Aufnahmen mit dem Orchestre Philharmonique de Radio France.“

In Paris fühlt der Komponist sich zu Hause, eine zweite Heimat ist aber mittlerweile auch Los Angeles, dort hat er Hollywood für sich erobert und im Laufe der Jahre alle internationalen Auszeichnungen von Rang und Namen eingesammelt: Golden Globe, British Academy Film Award, César, Grammy, BAFTA, Europäischer Filmpreis – für die Musik zu Grand Budapest Hotel wurde Alexandre Desplat 2015 nach acht Nominierungen ein Oscar verliehen. Sein Herz hängt jedoch besonders an einer Auszeichnung: an dem Silbernen Bären, seinem ersten Preis, den er 2005 bei den Internationalen Filmfestspielen Berlin bekommen hat. „Der Bär steht auf meinem Klavier und schaut mir bei der Arbeit zu“, lacht er. „Und ich arbeite total viel, komponiere quasi Tag und Nacht, es ist einfach das, was ich am liebsten tue, und ich habe niemals das Gefühl, dass ein Stück perfekt ist, wenn ich es fertig habe.“

Für ein bisschen Abwechslung zum Komponieren sorgt zwischendurch höchstens mal ein Gastauftritt als Schauspieler in einem Film seines Freundes George Clooney, die ein oder andere Meisterklasse an der Pariser Sorbonne-Universität und dem Londoner Royal College of Music oder Engagements als Dirigent. „Aber das konkurriert dann nicht mit meiner Hingabe zum Komponieren. Wenn man sein Leben der Musik widmet, dann ist das nichts, was man selbst entscheiden kann. Es ist stärker, so als würde man von einem Strom mitgerissen.“

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