Der Wert der Musik

„Musik ist uns was wert“ schreibt die GEMA, und bestätigt damit etwas, das eigentlich jedem klar sein müsste: hinter jeder künstlerischen Leistung steckt harte Arbeit, und es ist ganz nett, wenn man dafür auch ein bisschen was bekommt.

Das Thema „Auftragshonorar für eine musikalische Komposition“ ist ein sehr schwieriges, und ich verbringe viel Zeit damit, Kollegen Tipps dazu zu geben, da oft fast unmöglich zu beurteilen ist, wie viel man verlangen kann oder sollte. Es ist ein Minenfeld voller Missverständnisse, in dem sowohl fremde als auch eigene Ausbeutung existiert.

Wie bei vielen künstlerischen Berufen gilt: je mehr man sich individuell ausdrücken kann, je mehr „Spaß“ man also vermeintlich hat, desto schlechter wird man bezahlt. Komponisten werden da behandelt wie auch Tänzer oder Sänger an Theatern, sie bekommen meistens wesentlich weniger für ihre tatsächliche Arbeitszeit als man annehmen würde, und sind zudem jederzeit kündbar. Allgemein herrscht die Idee, dass der Künstlerberuf ja ohnehin kein „gescheiter“ Beruf ist, und man dafür gefälligst auch darben muss. Wenn es Individuen gelingt, sich nicht schlecht sondern stattdessen recht gut durchzuschlagen, gar als Freiberufler ein gutes Auskommen zu haben, werden sie entweder misstrauisch beäugt oder von den Kollegen beneidet.

Natürlich wäre es Blödsinn, wenn es verbeamtete Urheber gäbe, die auf Kommando und nach genauen Uhrzeiten schöpferisch tätig wären. Ohnehin ist die „Arbeitszeit“ bei einer Komposition nicht zu berechnen, da kreatives Arbeiten nicht 100% planbar ist, und einen meist den ganzen Tag beschäftigt, nicht nur wenn man Noten aufschreibt.

Es ist aber eine traurige Tatsache, dass die durchschnittlichen Auftragshonorare für Komponisten in den letzten Jahren nicht nur stagniert sind, sondern auf ständigem Abwärtskurs sind. Trotz beständiger Inflation sind hier keinerlei Steigerungen zu beobachten, nach der Euro-Umrechnung wurde es auch nochmal weniger. Das Schlimme ist: Oft tragen die Komponisten selber dazu bei, das Preisdumping noch zu erhöhen.

Am schlimmsten ist das bei Auftragshonoraren für Orchesterstücke und Opern. Da viele Komponisten der irrigen Meinung sind, dass man als Komponist zumindest einmal eine Oper geschrieben haben muss, auch wenn man vielleicht dafür gar kein besonderes Talent hat (was auch nicht im geringsten ein Makel ist, siehe Komponisten wie Chopin zum Beispiel), biedern sie sich geradezu an, diese für Schleuderpreise zu schreiben.

Wie oft hatte ich schon Unterhaltungen mit Opernhäusern, bei denen bei den Honorarverhandlungen der Satz fiel „Wissen Sie, Ihr Kollege XY hat gerade eine Oper für uns geschrieben, dafür aber nur 7.500 EUR verlangt“. Da läuft einem ein Schauer über den Rücken, wenn man die tatsächliche Arbeitszeit für das Komponieren einer Oper mit dieser Summe in Bezug setzt. Jede kleine Dienstleistung wird (zu Recht) in diesem Land vergütet, Handwerker bekommen schon alleine für das Anschauen eines Wasserhahns Unsummen, warum machen wir uns als Komponisten so wahnsinnig klein?

Was das Ganze noch schlimmer macht: meistens werden dann noch Stimmenherstellung, Klavierauszüge und Großes Recht mit so einer Summe mitabgegolten. Ein solcher Komponist beutet nicht nur sich selber aus, sondern ruiniert auch die Preise für die Kollegen die nach ihm kommen.

Mir ist natürlich klar, dass man nicht als junger aufstrebender Komponist an einem kleineren Haus mit strengen Budgetvorgaben ein gigantisches Honorar verlangen kann, und natürlich spielt die eigene Lust auf ein Projekt eine große Rolle bei den Honorarverhandlungen. Aber man muss sich dann auch klar machen, dass es sich hier nur noch um ein „symbolisches“ Honorar handelt, wogegen jeder einzelne weitere Mitarbeiter an dem Theater bis hin zu den Pförtnern, Nachtwächtern und Putzkräften sehr wohl reelle Honorare erhält.

Ich weiß, ein schwieriges Thema – man kann künstlerische Honorare nicht leicht nach Tarifvertrag regeln. Ein berühmter Architekt bekommt auch mehr als ein junger, unbekannter Architekt, das ist der Lauf der Dinge.

Aber wenn es allzu obszön bei den Honorarverhandlungen wird, sollte man sich den – zugegebenermaßen zu dieser Zeit schon sehr berühmten – György Ligeti ins Gedächtnis rufen, der der Legende nach für sein Horntrio – ein 25-minütiges Werk für drei Spieler – die Auftragssumme von 100.000 DM erhielt, was heute mindestens ca. 200.000 EUR entsprechen würde.

Ein solches Honorar wäre heute selbst für die berühmtesten und allererfolgreichsten Komponisten unseres Metiers unvorstellbar.

Von Moritz Eggert

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Kommentare

  1. Cornelia Hartmann
    25. Februar 2017 at 11:24

    Leider geht es uns “ausführende” Musiker nicht anders,man wird nicht wertgeschätzt und hat das Gefühl bei Honorarverhandlungen unangemessene Forderungen zu stellen … das in jedem Auftritt viel Arbeit und Zeit steckt wird überhaupt nicht in Betracht gezogen … das tut einfach weh …

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