Des Helden Gefährtin: Pauline Strauss

(Foto: Privat)

Anders als viele seiner Kollegen verbrachte Richard Strauss sein Leben mit nur einer Frau: Pauline Strauss, geborene de Ahna.

Weimar, 1894, eine Probe für die Uraufführung von Richard Strauss’ erster Oper Guntram. Während der Sänger des Guntram sich schwertut und mehrmals neu beginnt, singt die Sopranistin und Strauss-Schülerin Pauline de Ahna die Rolle der Freihild fehlerlos. Plötzlich bricht sie ab und fragt Strauss, der dirigiert, warum er sie nicht unterbreche. Dieser antwortet, dass sie ihren Part ja beherrsche – woraufhin Pauline ihren Klavierauszug wutentbrannt in seine Richtung schleudert und ruft: „Aber ich will unterbrochen werden!“ Strauss folgt der Sängerin, die von der Bühne gestürmt ist, in die Umkleide. Als er nach zehn Minuten zurückkehrt, verkündet er dem erstaunten Orches­ter seine (vermutlich heimlich bereits bestehende) Verlobung mit Pauline de Ahna.

"Salome, Arabella, Elektra, Ariadne und Sophie, in die sich Octavian im ­Rosenkavalier verliebt – sie alle dürfte der Komponist mit der Stimme seiner Frau im Ohr erdacht und entworfen haben."

So lautet eine häufig zitierte Anekdote über Richard und Pauline Strauss, die einen kleinen Einblick in die Beziehung zwischen den beiden so unterschiedlichen Charakteren gewährt. Zur Hochzeit, die im September des gleichen Jahres stattfindet, schenkt er ihr vier Lieder (op. 27) – bezeichnend für die Beziehung der beiden, die schließlich nicht zuletzt in der Musik wurzelte. Für Strauss war seine Frau die beste Interpretin seiner zahlreichen Kompositionen für Gesang. Zumindest in den Anfangsjahren ihrer Ehe trat er oft als ihr Begleiter bei Liederabenden auf, die beiden unternahmen sogar eine gemeinsame USA-Tournee. Dann aber zog Pauline sich zunehmend von der Bühne zurück und stand fortan dem Strauss’schen Haushalt vor. Hans-Peter Rieschel beschreibt in seiner Biografie, wie die Generalstochter dort nicht nur für Ordnung und Sauberkeit sorgte – sie bestand zum Beispiel darauf, dass Besucher nur mit feucht abgeputzten Schuhen ins Haus kamen –, sondern auch die gesundheitliche Sorge für ihren Mann übernahm. Sie versuchte, ihm das Rauchen abzugewöhnen, wetterte gegen die abendlichen Skat-Runden mit Freunden und sorgte dafür, dass er zweimal täglich mit ihr durch Garmisch wanderte und nach dem Mittagessen eine kurze Ruhepause einlegte. Die morgendliche Korrespondenz erledigten Richard und Pauline abwechselnd. Richard Strauss, ein Enkel der beiden, sagte später: „Ohne die Großmama hätte der Großpapa nicht 50 Prozent der Werke geschrieben, die er geschrieben hat.“ Er selbst bemerkte sogar einmal, er brauche seine Frau: Er sei so ein lethargischer Mensch, dass er ohne sie nie etwas geschaffen hätte. Auch in geschäftliche Entscheidungen scheint Pauline einbezogen worden zu sein: Als Strauss sich zwischen Angeboten für Engagements in München, Hamburg und Berlin entscheiden muss, ist ihm seine Frau laut eigener Aussage eine „Stütze und Trösterin“.

Pauline genoss den Ruf einer Frau, die sagt, was sie denkt. Nicht selten stieß sie Besucher mit ihrer direkten Art vor den Kopf und teilte auch Strauss ihre Ansichten offen mit. Ein fremder Kutscher fragte Strauss laut Rieschel sogar einmal, warum er das „Luder“ nicht hinauswerfe! Doch der erhaltene Briefwechsel zwischen den beiden lässt erahnen, dass der Komponist durchaus wusste, was er an seiner Frau hatte. In einem der über 1500 Briefe schrieb er: „Ich danke Dir nochmals für Deine liebenswürdige Zerknirschung, doch sollst Du Dir über alles dies keine so schweren Gedanken machen. Da ich Dich doch so genau kenne und auch bestimmt weiß, daß Du mich sehr gern hast, so können mich solche Szenen nie in meinem Vertrauen zu Dir erschüttern.“

"Ohne die Großmama hätte der Großpapa nicht 50 Prozent der Werke geschrieben, die er geschrieben hat."

Das Leben mit seinem „Bauxerl“ und dem 1897 geborenen Sohn Franz Alexander war für Strauss offenbar eine ständige Quelle der Inspiration. Pauline findet sich als „Gefährtin“ in Ein Heldenleben sowie als Christine in der Oper Intermezzo, und auch die Sinfonia domestica handelt natürlich vom häuslichen Alltag des Komponisten. Auch wenn Kritiker dieses Thema zu trivial fanden, vertrat Strauss die Ansicht, dass es nichts Ernsteres und Wichtigeres geben könne als eben seine Familie. Über die „häusliche Sinfonie“ sagte er einmal: „Ich weiß, dass einige Leute glauben, das Werk sei eine spaßhafte Darstellung des häuslichen Glücks. Aber ich gestehe, dass ich nicht spaßig sein wollte, als ich sie komponierte. Was kann denn auch ernsthafter sein, als das Eheleben? Die Heirat ist das ernsteste Ereignis im Leben, und die heilige Freude einer solchen Vereinigung wird durch die Ankunft des Kindes erhöht.“
Bedenkt man die Bedeutung, die Pauline für Richard Strauss hatte, ist es kein Zufall, dass wir Strauss auch einige der schönsten und wichtigsten Sopran-Partien verdanken, die im 20. Jahrhundert geschrieben wurden: Salome, Arabella, Elektra, Ariadne und Sophie, in die sich Octavian im ­Rosenkavalier verliebt – sie alle dürfte der Komponist mit der Stimme seiner Frau im Ohr erdacht und entworfen haben. Gleiches gilt vermutlich für die über 200 Lieder, die Strauss im Laufe seines Lebens schrieb. Laut Rieschel erprobte das Ehepaar neue Kompositionen auch gemeinsam ­zuhause.

Auch Strauss’ letzte große Komposition, die Vier letzten Lieder, richten sich an seine Frau: „Wir sind durch Not und Freude gegangen Hand in Hand“, so beginnt das Lied Im Abendrot – Strauss hätte wohl kaum treffendere Worte finden können für eine Beziehung, die zwei Weltkriege überdauerte und in 55 Jahren nur eine ernsthafte Krise erlebte. Der Komponist erhielt im Jahr 1902 einen Brief von einer Frau Mücke, den Pauline als Beweis für eine Affäre ihres Mannes deutete. Sie wollte bereits die Scheidung einreichen, als es Strauss schließlich gelang, die Geschichte als Verwechslung zu entlarven. Und, wie könnte es anders sein – sogar dieser Episode seiner Ehe hat Strauss ein musikalisches Denkmal gesetzt: in „Intermezzo“.

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Kommentare

  1. Dr. Sigedell, Dr. Etzel , W.Kremm ,Joh.Kunder, H.N. l
    4. Februar 2018 at 16:07

    Alle grossen Erfindungen sind meistens zunächst verlacht worden, bevor sie dann irgendwann ernst genommen worden sind und zur Selbstverständlichkeit wurden. Stellen Sie sich vor , eine kleine Gruppe von Leuten hätten vor ca. 30-40 Jahren behauptet, dass es viele Jahre später möglich ist , weltweit mit dem Internet zu kommunizieren. Niemand hätte sie ernst genommen.

    Es gibt ca. 12 Personen in Deutschland die folgendes seit über 30 Jahren behaupten:

    R.Strauss hat sich schon 9 Jahre nach seinem Tod wieder reinkarniert (1958 ) und lebt (inkognito ) unter uns , also ohne sich zu “outen” . Dies ist nichts ungewöhnliches , da für Komponisten wie Mahler, Wagner, Bernstein, Karajan aber Hugo von Hoffmannsthal Reinkarnation eine Selbstverständlichkeit war. Genauso für Nietzsche , Schopenhauer , die Strauss in seinen jungen Jahren sehr beeinflusst hatten, gerade auch im Zusammenhang mit seiner Komposition “Tod und Verklärung”

    Alle 12 Personen , darunter auch ein bekannter Fernsehmoderator, würden sich dafür verbürgen , dass dieser Fall genügend nachgewiesen ist und untersucht wurde.

    Stellen Sie vor, eines Tages würde eine Pressekonferenz einberufen werden, weil man herausgefunden hat , dass R. Strauss wieder unter uns ist. Viele glauben nun , dass Strauss wieder als Genie auf die Welt gekommen ist und mit seiner Begabung von damals
    viel Geld verdient. Dies ist ein ganz grosser Irrtum. Er ist heute ein relativ unbedeutender Musiker , der übrigens in München studiert hat. Dies hat einen ganz bestimmten Grund aus karmischer Sicht betrachtet. Dieser “Absturz “vom Genie zu einem nur noch mittelmässig begabten Musiker oder Künstler gibt es in der Reinkarnationsgeschichte sehr oft.

    Seine insgesamt 3 Besuche (inkognito ) in seiner damaligen Villa in Garmisch waren der grösste ” Till Eulenspiegel ” Streich, den es in Garmisch gegeben hat.

    Der erste Besuch war am 13. 10.1986. Damals hatte Alice Strauss und auch seine Haushälterin Anna Nizel noch gelebt, die ihn natürlich nicht erkannten. Es muss nicht eine optische Ähnlichkeit bestehen. !!! Er liess sich durch die Villa führen und erzählte am Telefon er ist Musikstudent in München , was auch stimmte.

    Die 2. Besichtigung fand in 1989 statt unter Führung von Prof. Kohler , damals auch zum ersten Mal ins Sterbezimmer von Strauss.

    Der 3. Besuch war am 5. 8 2008. Dieses Mal hatte ihn Dr. Christian STrauss persönlich durch die Villa geführt. Obwohl nur 15 min dafür gaplant waren, dauerte dieser Besuch über 3 Stunden , Er hatte sich sehr gut mit Christian Strauss unterhalten und eine Menge Fragen gestellt. Dieser fuhr ihn noch mit seinem Mercedes zurück zum Bahnhof in Garmisch.

    Der eigentliche Wert solcher Reinkarnationserfahrungen besteht darin , dass man Zugang zur sogenannten Akasha- Chronik hat. Hier sind wie in einer kosmischen Datenbank alle Ereignisse eines vergangenen Lebens gespeichert.

    Auf diesem Wege stellt man sehr leicht fest, dass viele Erkenntnisse über Strauss falsch sind oder verzerrt in Büchern dargestellt sind. Z, B., auch die Behauptung, Strauss hätte sich von Anfang an gegen die Nationalsozialisten “gewehrt”. Dies war erst zum Schluss der Fall , denn er war immerhin 2 Jahre lang “Reichsmusikammer-Präsident” und hatte sich vorher oft mit Hitler etc. getroffen (zusammen mit seinem Sohn Franz).

    Eine weitere falsche Behauptung ist , STrauss sei ein Atheist gewesen. Dr. Christian STrauss kann befragt werden, dass das nicht stimmt. Er war kein Kirchgänger und hatte einen anderen Zugang zu “Gott” , z.b. über seine Naturverbundenheit .

    Die Stadt Garmisch investiert jedes Jahr ca. 400 000 E in die Richard Strauss Tage, was man eigentlich einsparen könnte.

    Denn die letzten Geheimnisse über R. STrauss werden auch dadurch nicht gelöst werden.
    Dies betrifft seine einzigartige Art und Weise, zu komponieren. Selbst seine Familie hatte er darüber nicht eingeweiht. Da versteht ihr doch nichts von , sagte er immer.

    Egal wie sie über diesen Reinkarnationsfall über R.STrauss denken , wir können es weitgehend nachweisen und belegen . Bei event. Fragen können Sie uns anrufen unter 0177/4335279. Können Sie sich vorstellen , dass eines Tages die R.STrauss Tage mit dem reinkarnierten Strauss stattfinden. ??? Er hätte viel zu erzählen.

    Wir können es uns sehr gut vorstellen, aber bis dahin ist es noch ein weiter Weg.

    Vielen Dank

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