Die lustige Witwe: Vom Tod umgarnt, von Walzern umflutet

Adam Cooper (Der Tod), Alexandra Reinprecht (Hanna Glawari), Christoph Filler (Graf Danilo Danilowitsch)  © Marie-Laure Briane

Josef E. Köpplinger inszeniert als erste Premiere im wiedereröffneten Münchner Gärtnerplatztheater eine launig-morbide „Lustige Witwe“.

Es glänzt und strahlt in Rot und Gold – das nach fünf Jahren Sanierung wieder eröffnete Gärtnerplatztheater: Münchens intime Theater-Wohnstube, weniger imposant als das nahe Nationaltheater, dafür näher dran, quasi auf Tuchfühlung mit Gesang, Tanz und Musik. Staatsintendant Josef E. Köpplinger setzte nach der Eröffnungsgala als erste Neuproduktion der Spielzeit Franz Lehárs „Lustige Witwe“ auf den Spielplan. Ein Stück, das mit unzähligen Auftritten nicht nur von Johannes Heesters zur Theatergeschichte am Gärtnerplatz gehört.

Köpplinger war schon immer Garant für pfiffig-schwungvolle, aber auch doppelbödige Sichtweisen. Und so geht die aktuelle Neuproduktion mit viel Schwung und einer Fülle an ebenso opulenten wie witzigen Einfällen als Theaterfest über die Bühne – irgendwo zwischen einem Schubkarren voller Schuldscheinen für das bankrotte Operetten-Land Pontevedro (gemeint war ursprünglich Montenegro), einer von Verehrern gezogenen Kutsche für die millionenschwere Witwe Hanna Glawari und dem Aufblitzen echter Gefühle inmitten eines Bäumchen-Wechsle-Dich-Spiels zwischen unzähligen Paaren. Soweit, so Lehár. Aber weil man in der Wiener Operette schon aufgrund der politisch angespannten Lange ihrer Entstehungszeit auch einen doppelten Boden entdecken kann, führt Köpplinger den Tod als Spielführer und Fädenzieher ein – genial verkörpert von Adam Cooper, der auch die (ausgezeichnete) Choreografie des Abends besorgte. Immer wieder umgarnt er Hanna, immer wieder streckt sie ihre Hand nach ihm aus, er ist der Liebhaber im berühmten Vilja-Lied und drückt Hanna zum Abschluss den Todeskuss auf die Lippen. Zuvor aber gibt es einen Schuss und im Kanonennebel wird das Attentat von Sarajevo und der Beginn des ersten Weltkriegs verkündet, in den die dauernd „champagnisierten“ Herren ziehen und mehr Witwen hinterlassen, als im Stück eigentlich vorgesehen ist. Dieser Abgrund verleiht Köpplingers Deutweise der „Lustiger Witwe“ eine bittere Note, zerstört aber dennoch nicht die opulente Feierlaune des Stücks. In Sachen Bühne kommt die Inszenierung mit einem einfachen Treppenhaus und einem herbstlichen stimmungsvollen Palais-Garten (Bühne: Rainer Sinell) aus, gefüllt durch eine große Menge bunt und geschmackvoll gekleideter Menschen (Kostüme: Alfred Mayerhofer) – Chor, Ballett, Statisterie und Kinderstatisterie –, die Köpplinger klug, witzig und immer vielfältig zu führen weiß.

Den richtigen Grad zwischen feurig-spritziger und sentimentaler Operettenseligkeit findet aber auch Anthony Bramall mit dem Orchester des Staatstheaters am Gärtnerplatz: Lehár und die „Witwe“ liegen beiden hörbar prächtig, musiziert wird dabei exakt und zupackend. Das Solistenensemble ist in allen Hauptpartien mehrfach besetzt. Die besuchte Zweitvorstellung lieferte dabei ein durchgängig gutes, aber nicht höchstes Niveau. Christoph Filler sang sich als Graf Danilo nach anfänglichen Höhen-Problemen schnell frei und machte eine gute Figur, seine Witwe Hanna alias Alexandra Reinprecht wirkte stimmlich oft etwas zu metallisch und nicht immer gut textverständlich. Besser harmonierten da schon Sophie Mitterhuber als „anständige“ Ehefrau Valencienne und ihr heimlicher Galan Camille (Maximilian Mayer). Die eigentliche, unverzichtbare Operetten-Pointen-Figur aber spielt Sigrid Hauser – als immer wieder ironisch kommentierender Botschaftskanzlist und einem zusätzlich eingeschobenen Couplet in der Grisetten-Szenerie des Schlussakts. Hingehen und ansehen!

Weitere Aufführungen: 24. und 25.10.,3., 5., 10. und 18.11.2017. www.gaertnerplatztheater.de

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