Die Salzburger Mozartwoche 2018

Foto: Internationale Stiftung Mozarteum

Frisch vermähltes Liebesglück, Bachs Fugenkunst und die reizvolle Exotik der Türkei: Die Salzburger Mozartwoche 2018 dreht sich um alles, was Mozart im Jahr 1782 umtrieb.

Im stimmungsvollen Winterambiente Salzburgs hat sich seit 1956 um den Geburtstag von Mozart herum ein einzigartiges Festival etabliert: die Salzburger Mozartwoche. Als deren neue Intendantin gibt Maren Hofmeister im Januar 2018 ihr Debüt. Den Fokus legt sie dabei auf bisher wenig beachtete Mozart-Aspekte sowie auf außergewöhnliche Künstlerpersönlichkeiten.

Im Mittelpunkt steht das Jahr 1782. Mozart hatte sich von seinem Vater gelöst und war nach Wien gezogen. Es ist das Jahr, in dem er als Pianist und als Komponist des Singspiels Die Entführung aus dem Serail Furore macht, sich mit den Fugen Bachs beschäftigt und Constanze Weber heiratet. Diese gewichtigen Ereignisse bilden die Programmschwerpunkte der Salzburger Mozartwoche.
Oper ist für Maren Hofmeister mit beruflichem Hintergrund bei der Ruhrtriennale, den Salzburger Festspielen und der Berliner Oper eine Herzensangelegenheit: „Mozart und Oper gehören zusammen.“ So startet die Mozartwoche 2018 mit einer Neuinszenierung von Mozarts Entführung aus dem Serail – unter anderem mit Robin Johannsen als Konstanze, Julian Prégardien als Pedrillo und Schauspieler Peter Lohmeyer als Bassa Selim. Die Entführung liefert denn auch das Motto für die ganze Veranstaltungsreihe: „Ach, wenn Du die Liebe kenntest – Vergebung statt Vergeltung“ wird die österreichische Schriftstellerin Eva Menasse in ihrer Rede bei der Eröffnungsfeier thematisieren, genauso wie wenige Tage später der Philosoph und Publizist Richard David Precht am Runden Tisch im Gespräch mit Gästen. Der einstige „Exotenkitsch“ der Entführung – Mozarts Antwort nach 100 Jahren der zweiten Wiener Türkenbelagerung – hat kombiniert mit „Vergebung statt Vergeltung“ durch die aktuellen Flüchtlingsbewegungen 236 Jahre nach der Uraufführung eine ganz neue Brisanz.

Mit diesen Parallelen wollen Dirigent René Jacobs und Regisseurin Andrea Moses in der Entführung aus dem Serail die karikierenden ebenso wie die ernsten Momente herausarbeiten. Gerade die extremen Noten hält René Jacobs, der das Werk bereits konzertant aufgeführt und auf CD eingespielt hat, für enorm wichtig. Pedrillos hohes H darf nicht heroisch sein, muss nach einem Angsthasen klingen, damit der Humor zur Wirkung kommt. Serail-Arien während der Eröffnungsfeier und am Samstagnachmittag werden diese in verschiedenen Varianten erklingen lassen.

"In der Mozartwoche bekommt man zu hören, was in anderen Konzertsälen nicht zu hören ist."

Für Maren Hofmeister ist es eine besondere Freude, dass sie für die Wiener Philharmoniker drei inspirierende Dirigenten gewinnen konnte: Der junge Franzose Alain Altinoglu, Musikdirektor der Brüsseler Oper, bringt George Bizets Mozart nahestehende Erste Sinfonie mit nach Salzburg, Robin Ticciati das Elgar-Violinkonzert und Valery Gergiev Tschaikowskys Mozartiana. Den konzeptionellen Schwerpunkt Mozart – Bach lassen etwa das Schumann Quartett, das B᾿Rock Orchestra mit Sopranistin Anna Lucia Richter, das Sinfonische Orchester der Universität Mozarteum, das Mozarteum Orchester Salzburg oder David Fray am Flügel und Hannfried Lucke auf der Orgel vielfältig aufleuchten. Wie unterschiedlich man Mozart interpretieren kann, dafür stehen renommierte Pianisten: Sir András Schiff, Daniel Barenboim und Robert Levin. Piotr Anderszewski wird zum ersten Mal mit den Wiener Philharmonikern zusammenarbeiten. Mit „Porträts“ wird ein neues Format Premiere feiern. Jörg Widmann, Klarinettenvirtuose, Komponist, Dirigent, ist Universalmusiker ganz im Sinne Mozarts und wird die Reihe in der Mozartwoche 2018 eröffnen. „Mein Leben besteht zu einem nicht geringen Teil aus der Beschäftigung mit den großen Quintetten seit Mozart“, so der Ausnahmemusiker. Im April 2017 brachte Widmann sein stark von Mozart inspiriertes Klarinettenquintett mit dem Hagen Quartett zur Uraufführung. Die österreichische Uraufführung war Maren Hofmeister ein besonderes Anliegen, ganz ihrem Motto gemäß: „In der Mozartwoche bekommt man zu hören, was in anderen Konzertsälen nicht zu hören ist.“

Mozarts biografischen Schwerpunkt konzipiert Rolando Villazón. Er singt Mozart-Arien mit autobiografischem Hintergrund, liest aus Mozarts Briefen an Constanze. Dabei wird sichtbar, was Mozart über Constanze hinaus intensiv beschäftigte. Als ernannter „Mozart-Botschafter“ wird Rolando Villazón die Arbeit der Stiftung Mozarteum weltweit unterstützen. „Freude, Erstaunen und Verantwortung“ verbindet er mit seinem neuen Amt. Freude und Erstaunen zu bereiten, ist auch das Anliegen der Mozartwoche 2018.

Bis auf Restkarten sind viele Veranstaltungen der Mozartwoche bereits ausverkauft. Maren Hofmeister empfiehlt: „Einfach versuchen!“

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