ECHO KLASSIK 2017: Lucas Debargue

Foto: Yann Orhan, Sony Classical

Preisträger der Kategorie “Nachwuchskünstler (Klavier)”

“Bach, Beethoven, Medtner”, Lucas Debargue (Sony Classical)

Beim Tschaikowsky-Wettbewerb sorgte Lucas Debargue noch für einen Skandal. Seine neuen Alben sind eine Offenbarung.

Über Musik lässt sich vortrefflich streiten. Das hat der französische Pianist Lucas Debargue mit seinem Auftritt beim Tschaikowsky-Wettbewerb in Moskau eindrücklich unter Beweis gestellt. Das Publikum bejubelte den jungen Außenseiter frenetisch, Pianist Boris Berezowsky nannte ihn ein Genie, aber Jury-Mitglied Michel Béroff zweifelte öffentlich seiner Professionalität. Die Jury war zerstritten, setzte ihn auf Platz vier. Das wiederum erzürnte den Dirigenten Valery Gergiev, der Debargue kurzerhand in das Finalistenkonzert holte.

Der Tumult von damals gehört inzwischen zur Vergangenheit. Spätestens mit seinem bei Sony erschienenen Album mit Werken von Bach, Beethoven und Medtner hat der junge Franzose unter Beweis gestellt, dass er nicht nur ein großartiger Musik-Profi ist sondern auch ein enfant terrible mit Tiefgang, ein Virtuose, dessen Kunst das Neuausleuchten des Bekannten ist, das unvoreingenommene Ohrenaufsperren seiner Zuhörer: die Schönheit des kompromisslos Schlichten.

Während bei seinen Konzerten schon der Körper, mit dem Debargues jede Phrase interpretiert, ein Spektakel an sich darstellt, gelingt es ihm auch in seinen Aufnahmen, die Körperlichkeit seines Musizierens hörbar werden zu lassen. Dazu besticht sein souveräner Umgang mit den Meistern der Klassik, die er ohne Schnörkel bis auf die Knochen durchdringt und glasklar zum Klingen bringt: wenig Pedal, klarer Anschlag, singende Piani. Debargues Markenzeichen ist die konzentrierte Reduktion für ein Maximum an Ausdruck.

Und so geht es auch im jüngsten Album weiter, auf dem sich Lucas Debargue die Komponisten Franz Schubert und Karol Szymanowski vornimmt. Das Debütalbum nach dem Gewinn des Tschaikowsky-Wettbewerbs war eine Bewährungsprobe. Das zweite Album mit Werken von Bach, Beethoven und Medtner wird nun mit dem ECHO KLASSIK ausgezeichnet. Das aktuelle Dritte ist ein Ritt durch die romantische und moderne Klavierliteratur, bei dem der junge Pianist niemandem mehr etwas zu beweisen hat. Er betritt mit Leidenschaft und Begeisterung die große Freiheit der Musik jenseits aller Jurys.

Share

Kommentieren Sie diesen Artikel

*

*

Ihre Email-Adresse wird nicht publiziert. Pflichtfelder sind markiert mit *