ECHO KLASSIK 2017: Pretty Yende

Bild: Gregor-Hohenberg, Sony-Classical

Preisträger der Kategorie “Nachwuchskünstlerin (Gesang)”

Rossini, Bellini, Donizetti u.a.: “A Journey”, Pretty Yende, Kate Aldrich, Coro Sinfonica di Milano della RAI, Marco Armiliato (Sony Classical)

Die Südafrikanerin Pretty Yende begeisterte sich zufällig für die Oper. Heute ist sie eine der größten Sopran-Stimmen der Welt

Es gibt Geschichten, die es fast nicht gegeben hätte, wenn die Welt sich nur ein wenig anders gedreht hätte. Die Geschichte der südafrikanischen Sängerin Pretty Yende ist eine dieser Geschichten. Heute ist sie – von Mailand bis New York – ein gefeierter Opernstar. Das wäre allerdings anders gekommen, hätte British Airways nicht zufällig mit dem Duett aus der Oper „Lakmé“ geworben. Hätte Yende in ihrer kleinen südafrikanischen Stadt 300 Kilometer östlich von Johannesburg diese Werbung nicht gehört. Und hätte sich nicht diesen unbändigen Ehrgeiz gehabt, ihren neuen Traum zu verfolgen: Einmal so zu singen wie die Damen in der Werbung, hinauszugehen in die große weite Welt, um ihren Traum zu leben. Als sie das „Lakmé“-Duett hörte war Pretty Yende klar, dass sie Opernsängerin werden will!

Heute verdanken wir diesen vielen „Wenns“ und „Hätte“ eine der schönsten und ehrlichsten Stimmen auf den Bühnen der Welt. Ihr Debüt-Album „A Journey“ bei Sony wird nun mit dem ECHO KLASSIK ausgezeichnet. Darauf zeichnet die Sopranistin ihre Karriere in unterschiedlichen Arien nach: Natürlich darf das Duett aus „Lakmé“ nicht fehlen, außerdem ihr erster großer Auftritt mit Rossinis „Le Comte Ory“ oder Gounods „Roméo et Juliette“, mit der sie den Belvedere-Gesangswettbewerb in Wien gewann. Zurück in ihrer Heimat Kapstadt sang sie Donizettis „Lucia di Lammermoor“. Man hört diesem Album an, wie existenziell jede einzelne Rolle für die Sängerin ist, dass jeder Auftritt bei ihr mit Herzblut verbunden ist – ein weiterer Schritt, um ihren großen Traum zu leben.

Einen Traum, der auch von der Befreiung uralter Vorurteile handelt. Ein Traum, der bis heute nicht ausgeträumt ist: „Es wird Zeit brauchen, bis sich die Verhältnisse der Weißen und Schwarzen angeglichen haben“, sagt Yende, „Südafrika muss permanent an sich arbeiten. Das ist das Vermächtnis von Nelson Mandela.“

Kein Wunder, dass Yende ihrem neuesten Album den Titel „Dreams“ gibt. Auch hier stellt sie mit erzählerischer Stimme unter Beweis, dass die märchenhaften Geschichten aus Opern wie „Roméo et Juliette“ oder „Linda di Chamounix“ Träume sind, für die es sich zu leben lohnt – und dass die Oper der Anfang von realen Geschichten sein kann, die es fast nicht gegeben hätte.

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