ECHO KLASSIK 2017: Yoel Gamzou

Foto: Oran Greier

Preisträger der Kategorie “Nachwuchskünstler (Dirigat)”

Mahler: “Symphony No. 10″, Yoel Gamzou, International Mahler Orchestra (Wergo / Schott)

Der erst 29jährige Dirigent Yoel Gamzou ist von Leidenschaft getrieben. Nun wird er für seine Bearbeitung von Mahlers 10. Sinfonie geehrt.

100 Jahre lang war es her, dass Gustav Mahler die letzte Note seiner unvollendeten 10. Symphonie geschrieben hat, als das Werk bei den Jüdischen Kulturtagen in Berlin in einer vollkommen neuen Bearbeitung des jungen Dirigenten Yoel Gamzou mit dem International Mahler Orchestra aufgeführt wurde. Und: Es war ein ohrenöffnender Erfolg.

Der 29jährige israelisch-amerikanische Dirigent hat sich intensiv mit Mahler beschäftigt, eines seiner großen Vorbilder ist Leonard Bernstein. Für Gamzou ist der Komponist eine Ikone des 20. Jahrhunderts, seine Musik eine Klangkugel, in der sich die Gefühle, Ängste und Träume von uns allen spiegeln.

Gamzou hat sein junges Leben dazu bestimmt, Mahler die Ehre zu erweisen. Der Dirigent gilt vielen als „Wunderkind“, das Partituren lesen konnte, noch bevor es Bücher las. Tatsächlich ist er ein energiegeladener Musiker mit großen Visionen. Dafür wurde er oft kritisiert. Umso mehr freut ihn die Auszeichnung mit dem ECHO-Klassik: „Mein Weg als Dirigent war oft ungewöhnlich, unorthodox und unkonventionell. Es gab viele Widerstände, viele Aufs und Abs – ich bin aber immer meiner Integrität und meiner musikalischen Identität treu geblieben.“ Genau dafür wird er nun ausgezeichnet. In Mahlers 10. Sinfonie fand er ein sorgfältig geplantes, aber „hastig formuliertes Testament“, das „fast unerträglich schmerzhaft“ sei – und das ihn immer wieder angestarrt und darum gebeten habe, aufgeführt zu werden.

Für Neudenker wie Yoel Gamzou ist ein Label „WERGO Colours“ erfunden worden. Es will die Vielfalt und den Farbenreichtum gegenwärtigen Musikschaffens jenseits der sogenannten „Avantgarde“ abbilden. Mit der Einspielung von Mahlers 10. Symphonie ist genau das gelungen: Gamzou schafft es, in der Musik eine Zeitspanne von über 100 Jahren zu überbrücken und Gustav Mahlers Vermächtnis als Soundtrack unserer Gegenwart zu installieren und zu begründen.

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