ECHO KLASSIK 2017: Constantin Trinks und das Mozarteumorchester Salzburg

Foto: Barbara Aumüller

Preisträger der Kategorie “Sinfonische Einspielung / Musik 19. Jh.”

Hans Rott: “Symphony No. 1″, Mozarteumorchester Salzburg, Constantin Trinks (Hänssler Classic)

Diese Einspielung ist ein Ereignis. Gemeinsam mit dem Mozarteumorchester Salzburg hat Constantin Trinks die wegweisende 1. Sinfonie von Hans Rott neu belebt. Der Zeitgenosse Gustav Mahlers hat an der Neuerfindung der modernen Symphonie getüftelt, die in der Edition Günter Hänssler nun mit Klangwucht und Spielfreude in Szene gesetzt wird. Ein Gespräch über den vergessenen Komponisten und seine Wirkung.

crescendo: Herr Trinks, warum haben viele den Komponisten Hans Rott vergessen?

Constantin Trinks: Inzwischen glaube ich, dass Rott eine Renaissance feiert. Er war ein genialisch-begabter Komponist des 19. Jahrhunderts, Bruckner-Schüler und Mahler-Kommilitone in Wien, der im Alter von nur 21 Jahren eine hoch ambitionierte Sinfonie von brucknerschen Dimensionen schrieb. Sie war für Mahler eine Inspirationsquelle.

Der Durchbruch gelang Rott aber nie wirklich …

Er verfiel leider in geistige Verwirrung und Depressionen, und musste die letzten fünf Jahre seines kurzen Lebens – er wurde nur 26 Jahre alt – in der geschlossenen Anstalt verbringen.

Wie Sind Sie persönlich auf Rott gestoßen?

Mir fiel die CD der Ersteinspielung der Sinfonie mit dem Cincinnati Philharmonia Orchestra unter Gerhard Samuel in die Hände. Diese entfachte sofort meine Begeisterung, kam doch in dieser Musik hörbar Rotts Verehrung für Wagner und Bruckner  – den Leitsternen meiner Jugend – zum Ausdruck.

Besondere Nähe scheint aber zu Gustav Mahler zu bestehen…

Sicher, die beiden kannten sich, hatten den gleichen Kompositionslehrer, und Mahler äußerte sich Jahre später über den inzwischen verstorbenen Rott geradezu lobpreisend: „Was die Musik an ihm verloren hat, ist gar nicht zu ermessen“.

Was also hören wir bei Rott, was auf Mahler vorausweist?

Da ist etwa das Scherzo: Das könnte durchaus auch in einer Mahler-Sinfonie vorkommen, die thematische Nähe zum Scherzo der Ersten Sinfonie ist nicht zu überhören; von der Form, vom Aufbau her weist es aber bereits auf das große Scherzo der Fünften Sinfonie voraus. Kein Wunder, dass Mahler von Rott schwärmte: „Der Begründer der Neuen Symphonie, wie ich sie verstehe.“

 

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