Ein Anruf bei… Gustav Tilmann

Foto: Gustav Tilmann

Gustav Tilmann möchte vor allem Menschen in Not helfen – und das nicht nur zur Weihnachtszeit.

crescendo: Guten Tag, Herr Tilmann, wobei stören wir Sie?

Gustav Tilmann: Ich sitze ganz entspannt auf dem Sofa und bereite mich auf ein Konzert vor.

Das Wort „entspannt“ hört man selten aus dem Mund eines Musikers, wenn es um die Vorbereitung auf ein Konzert geht…

Das liegt vielleicht daran, dass ich mich eigentlich nie unter Leistungszwang gefühlt habe. Außerdem sind nicht Konzerte, sondern Schulungen mein hauptsächlicher Broterwerb.

Ein Einkommen, das Sie sofort weitergeben an Bedürftige.

Natürlich nicht alles! Aber als Katholik mit einer Ministrantenlaufbahn habe ich mir den berühmten biblischen „Zehnten“ zu Herzen genommen: Zehn Prozent meines Einkommens sind für wohltätige Zwecke bestimmt, und zwar unabhängig davon, wieviel ich tatsächlich habe.

Gibt es da ein bestimmtes Projekt, das Sie besonders unterstützen?

Ich verteile das Geld immer. Durch einen langen Aufenthalt in Indien habe ich den Gründer eines Waisenhauses kennengelernt, für das ich mich engagiert habe. Aber auch Projekte zur Flüchtlingshilfe unterstütze ich gerne. Als ich vor einigen Jahren erfahren habe, dass ein Mann mit Flüchtlingen eine Band gegründet und Songs aufgenommen hat, habe ich sofort ein Schlagzeug gespendet

Engagieren Sie sich eher hierzulande oder lieber im Ausland?

Beides ist wichtig. Nach dem verheerenden Erdbeben in Nepal haben wir eine Patenschaft übernommen und gaben Konzerte. Aber auch die SOS-Kinderdörfer liegen mir als ausgebildetem Lehrer sehr am Herzen, gerade weil die Hilfe direkt vor unserer Haustür stattfindet.

In diesen Dörfern ebnet man benachteiligten Kindern unter anderem den Weg zur Musik.

Kinder haben eine natürliche Anziehung zu Instrumenten. Wenn ein Kind talentiert ist, soll es gefördert werden, zumal Musik nicht nur Freude und Leichtigkeit ins Leben bringt, sondern auch eine Gemeinschaft entstehen lässt. Sie kann also durchaus ein Heilmittel sein, und zwar unabhängig davon, wie arm man ist oder welche psychischen Probleme man hat.

Wie sind Sie zur Musik gekommen? Ihr Berufsleben begann ja eigentlich als Lehrer.

Ich habe immerhin ein halbes Jahr lang an einer Waldorfschule Musik unterrichtet. Aber es stimmt schon: Die eigentlichen beruflichen Ambitionen in dieser Richtung kamen erst später, als ich mit meiner Familie Ende der Achtzigerjahre für mehrere Jahre nach Indien auswanderte. Damals haben meine Frau und ich dort gemeinsam unterrichtet, zusammen Hunderte von Konzerten gegeben. Sie spielt Querflöte und Dholak, eine indische Trommel. Und sie singt, das ist also die perfekte Ergänzung.

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