Der Elphi-Nachbar

Foto: privat

Oliver Wurm wohnt seit sieben Jahren neben der Elbphilharmonie in Hamburg und wartet sehnlichst darauf, dass die Kräne und Bagger nun endlich verschwinden.

crescendo: Herr Wurm, haben Sie auch gelesen, dass die Elbphilharmonie nun am 11. Januar 2017 eröffnet werden soll?

Oliver Wurm: Ich habe vor einem Jahr auch gelesen, dass die Stadt 2024 die Olympischen Spiele ausrichtet. Sagen wir es mal so: Mit Prognosen der Verantwortlichen bin ich in Hamburg etwas vorsichtig. Ich warte lieber auf den Abend, an dem ich den Paukenschlag aus dem Orchestergraben vernehme.

Angeblich soll Thomas Hengelbrock das Eröffnungskonzert dirigieren…

Wer soll das sein?

Der Chef-Dirigent des Hamburger Sinfonieorchesters, der erste Mann am Pult. Vielleicht kennen Sie seine Frau, die Schauspielerin Johanna Wokalek…

Ja, von ihr habe ich mal ein Interview gelesen, da sagte sie, dass sie es spießig findet, wenn die Leute kritisieren, dass ihr Mann 17 Jahre älter sei als sie. Da ich inzwischen auch 45 und noch ledig bin, macht mir die Frau durchaus Mut.

Sie sind also nicht wegen der Elbphilharmonie in die neue Hafenstadt gezogen?

Ich gehörte zur ersten Baugemeinschaft am Kaiserkai, also der Straße, die direkt auf die Elbphilharmonie zuläuft. Als wir ausbaggerten, war die Elbphilharmonie noch ein alter Kaispeicher mit Konzerthaus-Vision. Ich war aber schon vom ersten Architekten-Wurf ein glühender Fan. In den vergangenen Jahren habe ich sicher mit jedem zweiten Handwerker dort einen Kaffee getrunken und bin rund tausend Mal an der Baustelle vorbeigejoggt. Ich rufe bei jeder Runde ein fröhliches „Wir schaffen das“ hinauf in die gläserne Fassade. Neulich war tatsächlich zum ersten Mal innen alles beleuchtet. Ganz ehrlich: Das war schon ein Gänsehautmoment.

Wann haben Sie das erste Mal daran gezweifelt, dass das Bauwerk etwas verspätet fertig werden könnte?

Ach, große Dinge brauchen ihre Zeit. Und es braucht Leute, die solche Großprojekte durchziehen. Am Kölner Dom haben sie 632 Jahre gebaut. Und hätte man die Bevölkerung von Paris über den Bau des Eiffelturms abstimmen lassen: Der stünde doch bis heute nicht.

Was war das skurrilste Erlebnis in den vergangenen sieben Jahren?

Als ich eines Morgens – wie jeden Morgen – über die Mahatma-Gandhi-Brücke ins Büro fahren wollte, war sie weg. Komplett. Es hatte wohl eine längere Diskussion dazu gegeben, aber ich hatte das nicht mitbekommen, weil ich irgendwo unterwegs gewesen war. Gut, dass ich nicht so verschlafen war – sonst wäre ich samt Fiat 500 direkt in die Elbe gebrettert.

Welchen Stargast würden Sie sich für die Eröffnung wünschen?

Ganz ehrlich? Mich. Ich finde, ich hätte das verdient. Falls also noch jemand eine Karte über hat: Ich komme mit – gerne auch mit einer 17 Jahre älteren Frau.

Wir kümmern uns drum.

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