Hybridflügel

Foto: Valentin Behringer

Der japanische Elektronikriese Casio entwickelte zusammen mit C. Bechstein ein digitales Piano. Doch taugt das schicke Teil auch was? Pianistin Gabriela Montero begab sich an das Klavier und unterzog es einem Test.

Mit Klavieren kennt sich Gabriela Montero seit ihrer Kindheit aus. Bereits im zarten Alter von fünf Jahren trat die Pianistin in ihrer Heimat Venezuela öffentlich auf. Als Achtjährige spielte sie ihr erstes Konzert mit dem Simón Bolívar Jugendorchester unter Leitung von „El Sistema“-Gründer José Antonio Abreu. Als international gefragte Pianistin ist sie inzwischen in den bekanntesten Konzertsälen der Welt zu erleben.

Montero kann man also kaum ein X für ein U vormachen, wenn es um die Qualität von Klavieren und Konzertflügeln geht. Umso mehr darf man auf ihr Urteil über die neue Digitalpiano-Serie Celviano Grand Hybrid gespannt sein, die das japanische Elektronikunternehmen Casio gemeinsam mit dem erfahrenen Instrumentenbauer C. Bechstein entwickelt hat. Denn elektronische Pianos stehen nicht nur bei professionellen Musikern in einem eher zweifelhaften Ruf, da ihnen nicht zugetraut wird, den authentischen Klang eines Klaviers zu produzieren.

In einem Beitrag von Klassik.TV ist die experimentierfreudige Künstlerin dabei zu beobachten, wie sie auf einem Casio Celviano Grand Hybrid Piano Improvisationen über den Popsong Piano Man von Billy Joel spielt. „Klassische Pianisten sind ja dafür bekannt, sehr anspruchsvoll und präzise zu sein. Wir sind immer etwas misstrauisch, wenn ein Instrument nicht aus ‚echtem‘ Holz oder Metall besteht“, erklärt sie später im Interview mit dem Sender. „In diesem Fall bin ich aber angenehm überrascht.“

Casio verspricht in seiner Werbung, dass der Klang dieser neuen Instrumente authentischer, farbiger und nuancenreicher sei als bei üblichen digitalen Pianos. Das Klangbild eines Konzertflügels werde naturgetreu nachgebildet, „indem die Abstrahlcharakteristik der Ober- und Unterseite des Resonanzbodens simuliert wird“, erklärt der Hersteller.

Mit Hilfe der sogenannten Sampling-Technologie wird der Ton eines „echten“ Klaviers aufgezeichnet, im Digitalpiano gespeichert und abgespielt, sobald die Tasten gedrückt werden. Bei der Celviano-Serie wurde eine besonders ausgefeilte Technik verwendet, die zahlreiche individuelle Einstellungen (Regulierung von Dämpfer- und Saitenresonanz, Pedalgeräuschen etc.) möglich macht.

Der Käufer kann zwischen drei verschiedenen Soundtypen – Berlin Grand, Hamburg Grand und Vienna Grand – wählen. Zudem können Klänge anderer Ins­trumente wie Orgel, Geige oder Kontrabass erzeugt werden. Dank eines Features namens Concert Play kann man sogar den Solopart in Klavierkonzerten berühmter Komponisten übernehmen, während das Piano den Orchesterklang simuliert.

Montero bestätigt, dass der Klang des Celviano dem eines akustischen Klaviers tatsächlich verblüffend nahekommt. Auch die Haptik der Tasten hinterlasse einen authentischen Eindruck. „Für jemanden wie mich, der viele Konzerte gibt, ist der direkte, physische Kontakt zu einem Instrument wichtig“, sagt sie. „Das spielt für mich fast eine genauso große Rolle wie das Hören.“

Laut den Herstellerangaben werden für die Holztastatur dieser Digitalpianos die gleichen Materialien verwendet wie bei den bekannten Bechstein-Konzertflügeln. Auch die Oberfläche sei gleich. Die neue Mechanik der aus Holz gefertigten Hämmer (Natural Grand Hammer Action) orientiere sich am Prinzip einer Konzertflügelmechanik, sodass ein sehr nuanciertes Spiel möglich sei. Die Anschlagsempfindlichkeit soll sich in fünf Stufen regeln lassen.
Gabriela Montero würde auf der Bühne einen großen Konzertflügel vermutlich nicht gegen ein Casio-Bechstein-Modell eintauschen. Das digitale Piano sieht sie jedoch als gute Alternative, etwa für Studenten oder Musikschulen, die sich keinen eigenen 100.000-Dollar-Flügel leisten könnten.

Einen weiteren Vorteil erkennt Montero darin, dass das Digitalpiano leichter zu transportieren sei als ein akustisches Klavier oder gar ein Flügel. „Das ist von Vorteil, wenn man so viel reist wie ich. Ein solches Piano könnte ich beispielsweise mit in den Urlaub nehmen.“ Auch in einer Zweitwohnung, in der ein Pianist nicht auf das tägliche Üben verzichten wolle, wäre das Instrument gut am Platz. „Man bräuchte sich keine Sorgen mehr darüber machen, wie man üben kann und ob sich Nachbarn eventuell dadurch gestört fühlen.“ Denn neben Lautsprechern, die den Klang sogar in einen großen Konzertsaal hineintragen könnten, gibt es auch einen Kopfhöreranschluss, der ein für die Umgebung geräuschloses Spielen ermöglicht.

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