John Axelrod: Wein, Weib und … Strauss

Unser Kolumnist wurde einst von Richard Strauss’ Tondichtung „Till Eulenspiegel“ überrascht – und nun von einem guten Merlot aus Sizilien.

„Wer nicht liebt Wein, Weib und Gesang, Bleibt ein Narr sein Leben lang.“ Es gibt widersprüchliche Quellen dieses bekannten Zitats. Die einen schreiben es Martin Luther zu, andere behaupten, es stamme von Johann Voss. Jedenfalls ist es ein wahrer Satz, der besonders gut zu Richard Strauss’ Witzbold-Helden Till Eulenspiegel passt, denn auch hier geht es um Richard Strauss, dessen 150. Geburtstag wir im kommenden Jahr feiern.

Die beiden Themen der sinfonischen Tondichtung von Till Eulenspiegel werden von zwei Instrumenten gespielt: dem Horn in B und der D-Klarinette. Das Horn hat einen noblen, heroischen Klang, es klingt wie das deutsche Alphorn, das Strauss so liebte, und doch voller Charakter und besitzt ebenso viel Charme wie der fröhliche Hofnarr. Die Klarinette klingt nach dem Gauner, der seine Intrigen und Streiche so richtig auskostet.

Das ganze Werk hindurch überrascht uns Strauss, spielt mit unserem Gehör, erzählt die Geschichte und fesselt uns wie ein Kind an sie. Vom ersten „Es war einmal“ bis zur Hinrichtung unseres Helden sind die auftauchenden Themen ein Anzeichen dafür, dass der Schlingel auch in uns niemals ganz verstummen wird. Spaß ist vom Kindes­­alter an ein angeborenes Bedürfnis.

"Seine Trauben spielen unserem Gaumen Streiche!"

Auch Weine können uns derart überraschen. Nehmen wir den großen Moralisten Monsieur La Rochefoucauld, der einst sagte: „Das Einzige, was mich jetzt noch überraschen könnte, ist etwas, das mich noch überrascht.“ Ich wurde neulich von einem Merlot aus Sizilien überrascht. Aus Sizilien! Ein Merlot aus dem Süden Italiens? Ist das nicht die Traube aus dem französischen Pomerol, werden Sie fragen? Ja, Sie haben recht. Aber dieser Wein, so wie viele Merlot-Sorten aus Italien, hat die Welt im Sturm erobert. Versuchen Sie mal eine Blindverkostung mit einem Château Pétrus aus Pomerol und dem ebenso köstlichen, aber nur ein wenig günstigeren Masseto aus Tenuta Dell’Ornellaia. Es ist, als müssten Sie den Unterschied zwischen einem Rolls Royce und einem Bentley feststellen. Tatsächlich gibt es eine Menge italienischer Merlots, besonders aus Sizilien, die sehr preiswert und dennoch vorzüglich sind. Der Gaumen wird von dieser kräftigen Traube überrascht. Der Planeta ist zum Beispiel ein solcher Merlot. Er kostet weniger als 25 Euro pro Flasche, und seine Trauben spielen unserem Gaumen Streiche: Der Merlot hat den noblen Charakter der Traube, die auch im Premier Cru Bordeaux benutzt wird, aber er kitzelt auch die Zunge. Beide Eigenschaften versprechen eine überraschende Verkostung, am besten mit Pasta, Wild, Käse oder gegrilltem Gemüse auf dem Essenstisch.

Es gibt noch eine weitere Tondichtung von Strauss, die erwähnt werden sollte, wenn wir über den Essenstisch sprechen: Die Sinfonia Domestica wurde 1904 in Wanamaker’s Department in New York City uraufgeführt. Das bourgeoise Familienleben, das Strauss so verehrte, bildet eine Art Antithese zum Anti-Helden Till Eulenspiegel. Stellen Sie sich ein Feiertagsessen vor, bei dem die Gäste plötzlich anfangen, mit Essen zu werfen!

Ein neuer Winzer aus Oregon – passenderweise in Anlehnung an Richard Strauss’ bayerische Wurzeln „The Teutonic Wine Company“ genannt – präsentiert einen Wein mit weniger Alkohol, aber einer Menge Geschmack und treibt mit seinem neuartigen Produktionsverfahren Traditionalisten in den Wahnsinn. Auch eine Überraschung!
Hören Sie Till Eulenspiegel oder die Sinfonia Domestica an und trinken Sie dazu Planeta oder Pinot Meunier.

Für den Part mit den Frauen … Nun ja, ich würde nicht empfehlen, das Neue Jahr alleine zu feiern! Beginnen Sie 2014 voller Überraschungen!

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