Kurt Weill Fest 2017: „Auf dass die Welt besser sei“

(Alliage Quintett; Foto: Ira Weinrauch)

Mit rund 60 Veranstaltungen feiert das Kurt Weill Fest Dessau den großen Reformator Luther, den kämpferischen Aufklärer Moses Mendelssohn und natürlich seinen Namensgeber.

Nicht ganz 20.500 Quadratkilometer Land umfasst das heutige Sachsen-Anhalt – doch die Impulse, die während der letzten fünf Jahrhunderte von dort ausgingen, bescherten der Welt nachhaltige Veränderungen. So war auf diesem Landstrich nicht nur das Bauhaus beheimatet, sondern er bildete auch den Wirkungsort der bedeutenden Aufklärer Moses Mendelssohn und Christian Wolff; nicht zuletzt liegt hier die Stadt Wittenberg, die bekanntlich den Startpunkt für die Reformation Martin Luthers markiert.

Doch der gemeinsame Nenner zwischen „Luther, Weill & Mendelssohn“ – so das Motto des sich zum 25. Mal jährenden Kurt Weill Fests – besteht aus weit mehr als dem geografischen Aspekt. „Dem Programm liegt eine gesamtgesellschaftliche Fragestellung zugrunde“, erläutert Festival-Intendant Prof. Michael Kaufmann. „Es will zum Nachdenken einladen: darüber, wie wir leben wollen, wie eine humane Gesellschaft aussehen kann und was das für den Einzelnen bedeutet.“

Dementsprechend drehen sich die rund 60 Veranstaltungen, die vom 24. Februar bis 12. März an 26 Spielstätten in Dessau-Roßlau, Halle (Saale), Magdeburg, Wittenberg und Wörlitz stattfinden, natürlich einerseits um Kurt Weill – steht doch die Frage nach dem Verhältnis von Individuum und Gesellschaft in all seinen Bühnenwerken im Zentrum. Aber auch Veranstaltungen wie der Hörspielabend „Auf dass die Welt besser sei“ wurden passend zu diesem Hintergrund konzipiert. In Kooperation mit MDR Kultur wird hier der Fußmarsch des 15-jährigen Moses Mendelssohn von Dessau nach Berlin „nachgezeichnet“: Von Rolf Schneider verfasste Texte machen die Gedanken, Ängste und Hoffnungen des späteren Philosophen nachvollziehbar – ebenso wie seinen „Kampfeswillen“, wenn es um die religiöse Freiheit des Menschen ging.

Die drei gemeinsam mit der Musikhochschule in Leipzig und dem Stadtmuseum in Halle entwickelten musikalisch-philosophischen Veranstaltungen „Freiheit des Glaubens“, „Freiheit zu philosophieren“ sowie „Freiheit des Geistes“ werden sich den Zusammenhängen zwischen Luther, der Aufklärung und Weill widmen.

Einen weiteren Schwerpunkt stellt in diesem Jahr das Festival-Jubiläum dar: „Die Geschichte unseres Festivals ist eine spannende Erfolgsgeschichte in der Folge der Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten, ohne die es das Fest, inspiriert durch die Kurt Weill Foundation aus New York, wahrscheinlich so gar nicht geben würde“, meint Michael Kaufmann. Daher werde es im Jahr 2017 in einem besonderen Bewusstsein und voller Highlights begangen. Man darf sich auf viele Artist-in-Residence-Künstler aus zurückliegenden Festival-Ausgaben freuen, darunter Ute Gfrerer, James Holmes und Nils Landgren, die vom 2. bis 5. März, am großen Jubiläumswochenende, Kaufmann zufolge „einen echten Marathon machen, indem sie jeweils in vier Tagen vier Konzerte an drei verschiedenen Orten spielen“. Zusammen mit dem Ensemble Modern und der Anhaltischen Philharmonie Dessau werden diese drei Künstler auch das Galakonzert am 4. März als besonderen Höhepunkt des Festivals gestalten. Die Zuhörer können sich durch die bewegte Lebensgeschichte von Kurt Weill führen lassen und ihm vom Ku’damm an die Champs-Elysées und bis an den Broadway folgen. „Es gab noch nie so viele gemeinsame Produktionen des Anhaltischen Theaters mit dem Kurt Weill Fest “, erzählt Kaufmann. Auch wurden noch nie bei einem Festival so viele zentrale Werke von Weill angeboten. Das sei vor allem der „fantastischen Kooperation“ mit dem MDR und den Artists in Residence, dem MDR Sinfonieorchester, dem Rundfunk-Chor und Kristjan Järvi zu verdanken. Von Die sieben Todsünden über ein Oratorium nach Der Weg der Verheißung bis hin zum Musical Braver Soldat Johnny steht so an jedem Wochenende ein maßgebliches Weill-Werk auf dem Programm.

Umrahmende Veranstaltungen wie die Festspieleröffnungsparty, Filmvorführungen, eine Ausstellung, eine Tagung sowie Führungen runden das Festival-Programm ab.

„,Luther, Weill & Mendelssohn‘ ist nicht nur eine Reminiszenz an die Vergangenheit“, betont Kaufmann. „Es ist zugleich eine Aufforderung, uns der Privilegien, die unsere aufgeklärte Gesellschaft bietet, bewusster zu sein und ganz im Sinne Kurt Weills unsere Stimme dafür zu erheben, dass diese Gesellschaft auch das Modell für die Zukunft bleibt.“

Kurt Weill Fest
24. Februar bis 12. März 2017

Informationen und Kartenservice:
Tel.: +49-(0)341-499 09 00
www.kurt-weill-fest.de

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