Lang Langs New York

Lang Lang, Foto: Sony Classical

Der Pianist widmete sein neues Album seiner Wahlheimat und intepretierte echte Klassiker der City auf seine Weise. Uns verriet er seine ganz persönlichen Lieblingsplätze am Big Apple.

Lang Lang und New York, das scheint eine echte Liebesbeziehung zu sein: Kurz nach Veröffentlichung seines neuen Albums „New York Rhapsody“ kürte ihn Bürgermeister Bill de Blasio mit einer Zeremonie zum ersten „Kultur-Botschafter New Yorks“. Lang Lang soll die Stadt vor allem in seiner Heimat China anpreisen, denn die chinesischen Touristen sind für New York eine schöne Einnahmequelle: 2,67 Millionen kamen allein im vergangenen Jahr zu Besuch an den Big Apple, da rollt nicht der Rubel, sondern der Dollar. Der Tag, an dem die Stadt Lang Lang auszeichnete, wurde auch kurzerhand zum offiziellen „Lang Lang Day“ ernannt, New York ist da sehr flexibel, aber am Ende sind wir hier eben in der City of Dreams, der Stadt, die niemals schläft, und da passt der exzentrische Pianist wunderbar ins Bild.

Lang Langs Liebe zu New York entwickelte sich schon in seiner Zeit als Teenager: Als er bei seinem Lehrer Gary Graffman in Pittsburgh studierte, fuhr er an Wochenenden oft nach New York, um selbst für Musiker zu spielen. „Gary hat mich dann vielen Leuten vorgestellt, auch Dirigenten wie Isaac Stern“, sagt der Pianist. Im Jahr 2008 kaufte sich Lang Lang ein eigenes Apartment in New York und verlegte seinen Wohnsitz um die Ecke der Carnegie Hall. „Am Anfang hatte ich Probleme mit einem Nachbarn, er beschwerte sich beim Pförtner, wenn ich geübt habe. Das mache ihn verrückt“, erzählt Lang Lang. Später habe er abends dann leichte Sachen wie Debussy oder Bach gespielt. „Die Leute dachten, das sei eine CD“ – und es gab wohl keine Beschwerden mehr über sein Spiel. Aber diese verrückte Stadt, die sei ein kultureller Melting Pot, sagt Lang Lang. Es gäbe keinen Ort, an dem sich so viele unterschiedliche Kulturen vermengen würden, dazu diese unglaubliche Energie, das gebe ihm immer wieder Inspiration für neue Dinge. Natürlich auch für das neue Album, das tatsächlich eine einzige Hommage an New York ist. Die Lieder sind alle bekannt, aus der West Side Story und natürlich die Rhapsody in Blue wie auch der Pop-Charts-Hit von Alicia Keys Empire State of Mind, den er neu interpretierte und zusammen mit Andra Day einspielte.

Doch was sind Lang Langs eigene Lieblingsorte in New York? Welche Viertel mag er besonders und wo würde man ihn treffen, wenn er gerade nicht seine Nachbarn mit seinem teuren Spiel nervt?

1. Chinesische Restaurants in Flushing, Stadtteil Queens
Klar, der Pianist aus Shenyang ist ein großer Fan von gutem chinesischen Essen. Seiner Meinung nach befinden sich die besten Chinesen aber nicht im berühmten Chinatown von Manhattan, sondern auf der anderen Seite des East River im Stadtteil Queens. Direkt am Flushing Meadows Corona Park, auf Höhe der Main Street und Roosevelt Avenue, befinden sich etwa 40 asiatische Lokale, alle gut und sehr authentisch (die besten sind Jade und White Bear). Das Skurrile an dieser Gegend ist: Inzwischen leben und arbeiten in „Falashing“, wie es von den Asiaten ausgesprochen wird, mehr Chinesen als in Chinatown selbst (etwa 40.000). Mit der U-Bahn ist diese Gegend in circa einer halben Stunde von Manhattan aus erreichbar, ein Besuch lohnt sich in jedem Fall.

2. Die Steinway-Manufaktur in Queens
Wahrscheinlich gibt es kein Foto von Lang Lang mit einem Flügel, auf dem nicht das Logo von Steinway & Sons prangt. Der Pianist ist gefühlt seit 100 Jahren an die Marke gebunden, ein eigener Stimmmeister des Traditionshauses reist mit ihm zu seinen Konzerten, um seinen Flügel auf ihn abzustimmen. Die New Yorker Manufaktur ist das Mutterhaus der von Heinrich Engelhard Steinweg im Jahr 1853 gegründeten Firma. Lang Lang sagt, er erinnert sich noch heute an das überwältigende Gefühl, dort erstmals ein wirklich von Hand gefertigtes Klavier zu spielen. Das Haus befindet sich in Astoria, Stadtteil Queens, und man kann tagsüber eine Besichtigung der Fertigung machen. Von außen ist es zwar nicht sonderlich spektakulär, innen werden die Flügel aber noch immer von Hand zusammengebaut.
Informationen: www.steinway-piano.com.

3. DUMBO, Brooklyn
Der Name sieht komisch aus, steht aber für „Down under the Manhattan Bridge Overpass“ und ist eines der bekanntesten Filmmotive aus Once Upon a Time in America. Vor allem Fotografen lieben diesen Platz, denn man hat einen perfekten Blick auf die Fassade von Manhattan Bridge und Empire State Building. Es gibt sogar einen eigenen Blog: www.dumbonyc.com. Der Platz ist leicht zu finden: Ecke Washington Street, Ecke Water Street in Brooklyn.

4. Das Lincoln Center
Gut, das ist jetzt keine große Überraschung, denn erstens wohnt Lang Lang direkt um die Ecke des Musikareals und zweitens ist es die Heimat der klassischen Musik New Yorks. Natürlich lohnt sich vor allem ein Besuch einer Oper in der Met oder eines Konzerts in der David Geffen Hall, aber auch die Führungen durch den Komplex tagsüber sind sehr interessant. Insider besuchen vor allem die Konzerte der Juilliard School, die sich ebenfalls im Lincoln Center befindet und an der unzählige Klassikstars von morgen studieren. Führungen (ca. 25 Dollar) kann man telefonisch buchen unter Telefon 001 212 769 7028.

5. New York Botanical Garden
Für Lang Lang ein absoluter Ort der Entspannung: Denn der Botanische Garten New Yorks befindet sich ganz im Norden in der Bronx (nebenan ist auch der Zoo). Man vergisst hier kurz den Wahnsinn der City und spaziert durch Alleen von seltenen Pflanzen. Auch die Fahrt von Manhattan zum botanischen Garten ist eine Weltreise durch verschiedene Kulturen. Uptown, Central Park, Harlem, Yankee Stadium, Washington Heights mitten rein in die Bronx. Abenteurer nehmen den Zug „Metro-North“ von Grand Central bis Station Botanical Garden.
Infos zum botanischen Garten unter www.nybg.org.

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