Mary Portman: Die Geigerin und ihr Schloss

(Foto: Das Kranzbach)

Wie aus den Plänen der englischen Violinistin Mary Isabel
Portman eines der schönsten Wellnesshotels der Alpen wurde.

Elmau, Idyll zwischen Garmisch und Mittenwald, in den bayerischen Bergen: Wer mit dem Auto anreist, durchquert erst einmal eine Mautstraße, an deren Schranke man den Betrag von vier Euro bezahlen muss. Danach geht es eine kleine Waldlichtung hinauf zu einem sehr grünen Plateau, man blickt in die silbernen Felsen des Wettersteingebirges und fühlt sich ein wenig wie im Urlaub, was auch daran liegen könnte, dass sich auf der rechten Seite eine Wiese mit Liegestühlen befindet. In der Mitte der Wiese ist ein riesiger Pool, Gäste ziehen Bahnen, andere huschen in schneeweißen Bademänteln in ein Restaurant. Willkommen im Wellness-Paradies, Willkommen im Hotel Kranzbach, das man – wenn man ein paar Tage dort verbracht hat – guten Gewissens seinen besten Freunden empfehlen wird.

Seit 2007 ist es ein Hotel, doch die Wurzeln des Hauses reichen bis ins Jahr 1913 zurück: Im steinernen Haupthaus hängen zwei Porträts einer Lady, die man aufgrund der schwarz-weiß-Optik an den Beginn des 20. Jahrhunderts einordnen würde. Die Dame heißt Mary Isabel Portman und sie gilt als die Gründerin und Bauherrin des Anwesens. Hoteldirektor Klaus King erzählt immer wieder von Gästen, die staunend vor dem englisch geprägten Anwesen stehen und fragen, wie es ein solcher Baustil ins bayerische Alpenland schaffte? Und der Direktor erzählt gerne die Geschichte der jungen, reichen Aristokratin Mary Portman, die um das Jahr 1910 in Leipzig Musik studierte, sich anschließend in München niederließ und bei einem Besuch in Garmisch den Wunsch nach einem geeigneten Wochenenddomizil in dieser reizvollen Gegend äußerte. Die Pläne, auf der Kranzbach-Wiese ein eigenes Wohnhaus zu errichten, stammen tatsächlich aus dem Jahr 1913. Portman war damals 36 Jahre alt, unverheiratet und eine für damalige Verhältnisse „sehr unabhängige“ Frau. Da sie aus einer der reichsten Familien Englands stammte, ließ sie Pläne zeichnen, die eher an einen typisch britischen Landsitz als ein bayerisches Wohnhaus erinnerten – ein Schloss aus Stein. Auch König Ludwig II. hatte die Schönheit der Gegend ja bereits erkannt und oben am Berg, auf 1.800 Metern, sein Schachenhaus errichten lassen.

Im südlichen Nebengebäude ihres geplanten Refugiums ließ Lady Mary eine hohe holzgetäfelte Konzerthalle einrichten, in der die besten Musiker Europas auftreten sollten. Portman liebte die klassische Musik, spielte selbst leidenschaftlich Geige. Durch ihren früheren Lehrer in Leipzig, Richard Wagners Konzertmeister August Wilhelmij, hatte sie die besten Kontakte in die klassische Musikszene. Portmans Liebe zur Musik war derart groß, dass sie sich eine der damals wertvollsten Violinen zulegte: Eine Violine des cremonischen Geigenbauers Giuseppe Guarneri del Gesu. Das Instrument wurde im Jahr 1735 gefertigt und war zu großer Berühmtheit erlangt, da es von einem der größten Geiger der damaligen Zeit gespielt wurde: Fritz Kreisler. Wie viel Lady Mary Portman für die Violine bezahlt hatte, ist dem Hotel nicht bekannt, im Moment liegt ihr Wert Schätzungen zufolge aber bei über drei Millionen US-Dollar. Im Foyer des steinernen Schlosses sieht man Mary Portman mit diesem historischen Instrument. Das Hotel möchte die Geschichte ihrer Gründerin weitertragen.

Doch der Ausbruch des ersten Weltkriegs im Jahr 1914 zerstörte auch die bayerischen Träume der jungen Britin. Es gibt viele Hinweise darauf, dass Lady Portman ihr fertiges Schloss selbst nie gesehen hat. Die New York Times berichtete sogar davon, sie sei knapp einer Verhaftung entgangen, da sie ausstehende 50.000 US-Dollar Baukosten nicht beglichen hatte und ihr nur der Wohlwolle des amerikanischen Botschafters half, der die Summe den deutschen Behörden auslegte.

Im Jahr 2007 nahm sich ein österreichischer Hotelier des Anwesens an, ließ es vorsichtig renovieren und baute einen für die Landschaft passenden Anbau aus Holz für mehr Gäste hinzu. Das Kranzbach schaffte einen gelungenen Spagat aus Tradition und Moderne. Die 31 Zimmer im Haupthaus, dem steinernen Mary Portman Haus, erinnern auch von der Einrichtung her an ein englisches Landhaus aus dem vorigen Jahrhundert, während im Neubau – 98 Zimmer – viel helles Holz für Ruhe und Entspannung sorgt. „Ins Kranzbach fahren Gäste, die genau das suchen, Ruhe und Erholung“, sagt Hoteldirektor Klaus King. Deshalb em-pfiehlt das Hotel auch, ohne Kinder anzureisen, woran sich am Ende alle halten.

Das Highlight ist aber nicht nur der riesige Wellnessbereich mit Außenpool (im Winter beheizt) und großer Liegewiese, sondern auch die sagenhafte Umgebung. Ein Trip zum Schachenhaus König Ludwigs II. dauert zu Fuß circa drei Stunden, mit dem E-Bike, das man im Hotel ausleihen kann, geht es auch etwas schneller. Der Nachbarort Mittenwald ist ein beliebtes Ausflugsziel, vor allem im weltbekannten Geigenbaumuseum (www.geigenbaumuseum-mittenwald.de) lohnt sich ein Besuch. Mittenwald hat eine über 300 Jahre alte Geigenbau-Tradition.

Fans von klassischer Live-Musik kommen im Hotel Kranzbach ebenfalls auf ihre Kosten: Wer Orchestermusik von Richard Strauss hören mag, sollte vor allem diesen Sommer kommen: Anlässlich des 150. Geburtstag des Komponisten finden in Garmisch-Partenkirchen (nur 15 Minuten mit dem Auto entfernt) viele Konzerte statt (www.richard-strauss-festival.de).

DAS KRANZBACH

Hotel & Wellness-Refugium
4****Superior
82493 Kranzbach
bei Garmisch-Partenkirchen
Tel. +49 (0)8823 – 92 8000
Fax +49 (0)8823 – 92 800-900
info@daskranzbach.de
www.daskranzbach.de
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