Maximilian Hornung: Alles richtig gemacht

Mit 23 Jahren ist Maximilian Hornung Solocellist eines Spitzenorchesters geworden.
Nach vier Jahren Orchester hat er die Traum-Stelle wieder aufgegeben, um Solokünstler
zu werden. Jetzt ist er 29 und resümiert: Hat sich das Risiko gelohnt?

Ein Journalist hat mal geschrieben, der Cellist Maximilian Hornung sei von einem anderen Stern. Ob er das auch so sieht, wollen wir von ihm beim gemütlichen Interviewtermin in München wissen. Der gebürtige Augsburger lacht. Er freue sich, wenn jemand so was über ihn schreibt, aber: „Es schürt auch verdammt hohe Erwartungen.“ Erwartungen, die der 29-jährige Cellist bisher immer erfüllt hat: Als Kind einer Musikerfamilie hat er früh Cello gelernt, früh Spitzenpreise wie den Gewinn des ARD-Musikwettbewerbs und zwei ECHO-Klassik-Trophäen abgeräumt und ist dann mit 23 sehr früh Solo-Cellist des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks geworden. Schwupps war er mit Anfang 20 da, wo sich jeder Berufsmusiker hinträumt: an einer Spitzenstelle im Spitzenorchester. Tatsächlich war’s auch eine Spitzenzeit, sagt Hornung, aber dann kam der Lagerkoller: „Ich habe mir vorgestellt, wie es wäre, jetzt bis zur Rente mit 67 auf dem gleichen Platz zu bleiben. Noch 40 Jahre lang. Und dann wollte ich wieder weg.“ Er traut sich, kündigt seine Festanstellung und startet eine Solokarriere. Das war vor anderthalb Jahren. Und obwohl sich der Cellist selbst nicht gerne festlegen möchte und die Frage nach dem „richtig oder falsch“ unbeantwortet lässt, spricht sein Terminplan für 2015 Bände: Tournee nach Japan, nach Kanada, Debüt beim London Philharmonic Orchestra. 2014 hat er das erste Mal bei den Salzburger Festspielen gespielt, unter Esa-Pekka Salonen. Für ihn einer der schönsten Momente des Jahres.

Maximilian Hornung wirkt ziemlich geerdet, wie er da am Tresen eines Münchner Cafés sitzt. Gerade hat er ein paar freie Tage gehabt und sie – ohne Cello – auf einer Berghütte verbracht.

Für sein neues Album hat er die zwei beliebtesten Haydn-Cellokonzerte mit einer zeitgenössischen Komposition verbunden, dem Cellokonzert des Georgiers Vaja Azarashvili. Haydn – Azarash­vili – Haydn. Warum die Stücke gut zueinander passen? Hornung findet eher eine persönliche als stilistische Begründung: „Ich kenne alle drei Stücke wahnsinnig gut, weil ich mich viele Jahre mit ihnen beschäftigt habe. Das Konzert von Azarashvili habe ich sogar mit dem Komponisten selbst erarbeitet, das hat mir einen spannenden Zugang zur georgischen Musik eröffnet.“ Überhaupt sieht er das Bekannte als großen Vorteil in der ­klassischen Musik: „Man kann schneller mit der eigentlichen Arbeit an der Musik beginnen, wenn man sich kennt und weiß, wie der andere arbeitet.“

Letztes Jahr hat er eine Strauss-Einspielung veröffentlicht, aufgenommen mit dem BR-Symphonieorchester, seinem ehemaligen Arbeitgeber. Zum Zeitpunkt der Aufnahmesession hatte er den Posten als Solo-Cellist noch inne. Und das war ein Luxus, erzählt er, „mit dem eigenen Orchester zu spielen, angenehmer geht es nicht. Sie haben mich perfekt unterstützt und alles getan, dass ich mich da vorne wohl fühle.“ Genau das ist in der Szene nicht immer eine Selbstverständlichkeit. Kommt ein neuer Solist, wird der erstmal ausgetestet. Man will schauen, ob er so gut spielt, wie die Presse verspricht. Über Hornung klingt das dann so: „Ein Frühvollendeter, der die Abgebrühtheit eines Routiniers mit der Unbekümmertheit des Springinsfelds verbindet“.

Da ist er wieder, der Faktor „Was andere über einen schreiben“. Maximilian Hornung ist einer dieser jungen Klassikstars, der bloß durch seine Musik von sich reden gemacht hat. Er hat keinen Wikipedia Eintrag, merkwürdige Hobbies sucht man auf seiner Homepage vergeblich. Lediglich das Facebook-Foto vor einem Konzert in der New Yorker Carnegie Hall, auf dem Hornung ein überdimensional großes Pastrami-Sandwich in die Kamera reckt, lässt einen Hauch Privates erahnen: eine Schwäche für gutes Essen.

Gleich zu Beginn des neuen Jahres gibt᾽s gute Neuigkeiten für Hornung: Er bekommt den „Europäischen Nachwuchspreis“ der Europäischen Kulturstiftung. Alles richtig gemacht, resümieren wir gemeinsam. Ob er seiner Orchesterstelle trotzdem manchmal nachtrauert? „Eine Festanstellung hat schon ihre Vorteile. Du musst dir um organisatorische Dinge einfach keine Gedanken machen, weil alles geplant ist. Jetzt verbringe ich neben dem Üben die zweitmeiste Zeit damit, Mails zu schreiben.“
Ja und die Kollegen, die fehlen ihm schon. Das Gemeinschaftsgefühl aus dem Orchester bleibt Hornung ein wenig in der Kammermusik, die für ihn schon immer ein bedeutender Teil seines Musizierens ist. Bis 2011 war er Teil des Tecchler Trios, im vergangenen Jahr ergab sich spontan eine spaßige Kombo mit den Kollegen Nils Mönkemeyer und Nicolas Rimmer. „Manchmal habe ich das Gefühl, alle Musik ist erst aus der Kammermusik erwachsen. Das klingt ein bisschen esoterisch, aber es ist wahr. Richtig gut gemachte Kammermusik fühlt sich an wie eine Überdosis Redbull.“

Ob Maximilian Hornung also nun von einem anderen Stern ist? Zumindest greift er nach den Sternen und wenn er so weiterspielt, dabei genauso gelassen und trotzdem fokussiert bleibt, dann würde es uns nicht wundern, wenn die da oben ihn bald auch für ein Konzert buchen.

Maximilian Hornung live

12.2.15: Stuttgart, Theaterhaus
1.4.15: Berlin, Philharmonie
11.4.15: Potsdam, Nikolaisaal
26.4.15: München, Prinzregententheater
2. und 3.5.15: Schwetzingen, Schloss
13.5.15: Augsburg
Maximilian Hornung: Haydn: Cellokonzerte 1 & 2 / Azarashvili: Cellokonzert
Sony Classical (Sony Music)
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Kommentare

  1. Otto Zott
    7. November 2017 at 16:34

    Maximilian scheint wirklich von einem besonderen Stern zu sein.

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