Gefühlsrausch: Andrea Chénier

Gefühlsrausch: Andrea Chénier

„Unsingbar“, schimpfte 1896 Alfonso Garulli, führender Tenor an der Mailänder Scala, während der Proben zur Uraufführung des Andrea Chénier von Umberto Giordano.

Und gab seine (Titel-)Rolle zurück. Auch Jonas Kaufmann warnt: „Die Musik ist dermaßen mit Gefühlen aufgeladen, man muss aufpassen, sich nicht darin zu verlieren, nicht zu viel zu tun, nicht zu viel zu geben, denn all diese Melodien sind so eine große Einladung, sich die Seele aus dem Leib zu singen. Jede Notenlinie ist so perfekt, dass es eine Freude, ein großes Vergnügen ist, sie zu singen, aber man muss natürlich überleben.“ Als Andrea Chénier überlebt er nicht. Im wahren Leben aber wird der derzeitige „König der Tenöre“ (Welt) auch in London, in Convent Garden, gefeiert, wo die Liveproduktion entstand. An seiner Seite ein flexibel dirigierender Antonio Pappano, der alle Stilarten beherrscht, von der höfisch-vornehmen Gavotte im ersten Akt bis hin zur Marseillaise im vierten Akt. Überzeugend ebenso Eva-Maria Westbroek als Maddalena und Željko Lučić als Gérard. Superstar Kaufmann machte sich in dieser naturalistisch inszenierten Produktion optisch wie sängerisch so gut als emphatisch-heroischer Revolutionspoet, dass die britischen Medien warnten: „Leave your brain at the door.“

Umberto Giordano: „Andrea Chénier“, Jonas Kaufmann, Eva-Maria Westbroek, Željko Lučić, Royal Opera Chorus, Orchestra of the Royal Opera House, Antonio Pappano
(Warner)
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