Gewinner!: „Music for Strings“ mit Auftragswerken des ARD-Musikwettbewerbs

Gewinner!: „Music for Strings“ mit Auftragswerken des ARD-Musikwettbewerbs

Er gehört zu den renommiertesten Musikwettbewerben für junge Profis weltweit: Alljährlich messen sich die internationalen Top-Instrumentalisten beim ARD-Musikwettbewerb. Sehr erfreulich, dass dabei nicht nur das altbekannte Repertoire „abgenudelt“, sondern auch die Interpretation eines zeitgenössischen Werks eingefordert wird – jeweils taufrisch für den Wettbewerb komponiert. Das Label BR Klassik hat nun Gewinnerinterpretationen dieser Auftragswerke für Streicher aus dem Zeitraum 2004 bis 2016 auf ein Album gebannt. Dabei wechseln sich Werke für Streichquartett mit Solowerken für Violine, Viola und Cello ab. Allein die Komponistennamen lesen sich wie ein Who is Who der zeitgenössischen Komponistenszene: Da ist Wolfgang Rihm mit seiner irisierenden „Quartettstudie“ ebenso vertreten wie Rodion Schtschedrin mit seiner „Lyrische Szene“ – einem hochemotionalen Streichquartettwerk von innigem Klagegesang bis zu verzweifelten Ausbrüchen. Da bringt Johannes Maria Staud in seinem aberwitzig virtuosen Violinsolo „Towards a Brighter Hue“ förmlich das Instrument zum  Glühen – tatsächlich ist die Komposition von Skulpturen des englischen Bildhauers David Nash inspiriert, in dem verkohltes Holz eine zentrale Rolle spielt. Und da lässt David Sawer in „Parthenope“ die Bratsche ihre Qualitäten von fernöstlich angehauchter Sanglichkeit über rhythmische Pointiertheit bis zu doppelgriffreichem Zwiegesang unter Beweis stellen, experimentiert Erkki-Sven Tüür in „Lost Prayers“  mit mannigfaltigen Spieltechniken und verklanglicht Esa-Pekka Salonen farbenreich die Begriffe „Pochen, Atem und Licht“ im gleichnamigen Werk für Solo-Cello. Tatsächlich förmlich „aufgekratzt“ beschließt „etchings –Radierungen“ von Nikolaus Brass das Album, ein aufgewühltes und aufwühlendes Werk für Streichquartett. Es wird durchweg brillant musiziert, wobei sich unter den Interpreten, dem langen Zeitraum zwischen den einzelnen Aufnahmen gemäß, von heute bestens etablierten Ensembles wie dem Quatour Ébène, dem Apollon Musagète oder dem Armida Quartett auch Newcomer wie das japanische Quartet Amabile befinden. Als Solisten begegnet man dem inzwischen renommierten französischen Bratscher Antoine Tamestit ebenso wie dem französischen Cellisten Tristan Cornut und dem Münchner Geiger Korbinian Altenberger, inzwischen Konzertmeister der zweiten Violinen des BR-Sinfonieorchesters. Prädikat: Progressiv aber zugänglich, hochkarätig aber nicht abgehoben.

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Kommentare

  1. Marie
    8. September 2017 at 20:37

    Wo bekommt man denn die CD?

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