Beethoven Sonaten: Evgeny Kissin live

Beethoven Sonaten: Evgeny Kissin live

Seine Rückkehr zur Deutschen Grammophon hat der heute 45-jährige Evgeny Kissin mit Konzertmitschnitten von fünf Beethoven-Sonaten (plus den c-Moll-Variationen) besiegelt, die er in den vergangenen zehn Jahren an verschiedenen Schauplätzen rund um dem Globus spielte: Was einen von den ersten Takten der frühen, jugendlich-ungestümen C-Dur-Sonate op. 2,3 sofort in Bann zieht und dann zwei Stunden lang nicht mehr loslässt, ist die einzigartige Kombination von atemberaubenden Details und einer direkt aus dem Formprozess abgeleiteten Dramatik und erzählerischen Sogkraft, die den berühmten Spruch Beethovens, Musik müsse „Feuer aus dem Geist schlagen“ in rigorose Klangrede verwandelt: Dabei verschwindet Kissin selbst so sehr hinter der objektiven Kraft und Klarheit seiner funkenschlagenden Prägnanz, dass man fast den Eindruck gewinnt, der musikalische Kontext vollziehe sich hier ganz von selbst: Kissin entwickelt seine Energieschübe und grellen Kontraste völlig logisch aus dem strukturellen Kontext, und setzt so eine neue Art von Leidenschaft und innerer Dramatik frei, die eben auskomponiert sind und nicht irgendwelchen Gefühlswallungen folgen. So klingt die Appassionata trotz der vielen wilden Kontraste in einer Weise zwingend und erschütternd zu Ende gedacht, wie ich es so noch nicht gehört habe. Und nirgends eine Spur von Pathos oder Unklarheit, denn er spielt immer mit offenen Karten: Jetzt ist er uns eigentlich den ganzen Beethoven schuldig.

Beethoven: piano sonatas N0. 3, 14, 23, 26, 32; 32 Variations in c minor.
(Deutsche Grammophon)
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