Beethovens Beziehungskosmos

Beethovens Beziehungskosmos

Noch ein Beethovenbuch, braucht’s das? Es braucht’s! Denn der renommierte Musikwissenschaftler Martin Geck, Professor an der Technischen Universität Dortmund, hat sich etwas Außergewöhnliches einfallen ­lassen: Statt eine weitere chronologische Biografie vorzulegen, setzt er an all den Menschen an, die Beethoven inspirierten, die umgekehrt er inspirierte, die er plagte, die ihn plagten. So entsteht ein organisches, um Beethoven mäanderndes Beziehungsgewebe von Bach bis Igor ­Strawinsky, von Tintoretto bis zum französischen Philosophen Gilles Deleuze. Die Personen sind dabei thematisch, nicht chronologisch in Dreierblöcke geordnet: So werden unter dem Begriff „Titanismus“ etwa Napoleon Bonaparte, Wilhelm Furtwängler und die Musikphilosophin Lydia Goehr subsummiert, unter dem Stichwort „Phantastik“ William Shakespeare, Robert Schumann und Jean Paul. Geck spannt den Bogen von simplen Fragen wie der nach der Sinnhaftigkeit von Opuszahlen über Beethovens Bewältigungsstrategien für tiefe seelische Krisen (Johann Michael Sailer) bis zur Idee einer musikalischen Universalgrammatik (Leonard Bernstein). Nebenbei werden gut recherchiert und wie selbstverständlich Notenbeispiele und Zitate eingeflochten. Schließlich ist das rund 500 Seiten umfassende Buch auch noch gut geschrieben.

Martin Geck: „Beethoven. Der Schöpfer und sein Universum“
(Siedler)
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Kommentare

  1. John E Klapproth
    19. Oktober 2017 at 09:02

    Professor Martin Geck (TU Dortmund) hat einen 507 Seiten Wälzer “Beethoven: Der Schöpfer und sein Universum” vorgelegt und auf den Seiten 176 bis 191 die “unsterbliche Geliebte” abgehandelt. In der Bibliographie ist weder Jan Caeyers (2012) noch Rita Steblin erwähnt – da kann man sich schon denken, wie fundiert seine Ausführungen sind. Natürlich zitiert er genüßlich Maynard Solomon, dessen Diffamierungen (wie Beethoven habe häufig Prostituierte besucht oder der angesehene Hofrat Peters habe ihm seine Frau für 1 Nacht “geliehen”!) schon mehr als üble Nachrede sind – jedenfalls ist seine Antonie-Hypothese längst widerlegt. Kurz: 1 Armutszeugnis, das gerade im deutschsprachigen Raum (wo Josephine Brunsvik unbestritten als die einzig mögliche “Unsterbliche Geliebte: inzw. feststht (so Carl Dahlhaus schon bereits 1983, in seiner Rezension von Tellenbachs umfassender Biographie).
    Mehr (oder vielmehr: alles) darüber in meinem “Handbuch: Unsterbliche Geliebte”.

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