Manifest jugendlicher Frische: Herbert Blomstedt und Beethoven

Manifest jugendlicher Frische: Herbert Blomstedt und Beethoven

Mit 90 Jahren ist Herbert Blomstedt der Nestor der internationalen Dirigentenszene: Sein neuer Beethoven-Zyklus mit dem Leipziger Gewandhausorchester, das er nach 1998 entscheidend formte und neu ausrichtete, aber klingt wie ein Manifest jugendlicher Frische und Spannkraft. Was er da aus diesen noch immer munter brodelnden Vulkanen an dramatischen Energieschüben herausholt, ohne dabei die objektive Ebene des Materiell-Faktischen, also des strukturellen Kontexts, zu verlassen, das verleiht diesen Heiligtümern eine völlig neue innere Logik und Sogkraft: Selten klangen Beethovens Sinfonien so stringent, so druckvoll fließend und so spannungsgeladen, wobei Blomstedt sein Ego ganz zurücknimmt und Beethovens ganz speziellen Kompositionsprozess, also die große Gedankenlinie in den Mittelpunkt rückt: Und so fügen sich hier auch die prominenten Schlüsselwerke wie die Eroica oder die Fünfte ganz nahtlos ein in einen organischen Entwicklungsprozess, der auf alles übertriebene Pathos, auf allen Titanismus, aber eben auch jeglichen Effekt verzichtet und aus wissender Überlegenheit sich eine letzte Spur von emotionaler Distanz bewahrt: So schärft Blomstedt den Blick auf das Wesentliche, auf das, was Beethovens eigentliche Größe ausmacht. Ein Zyklus mit Referenzqualität.

Beethoven: „The Complete Symphonies“, Gewandhausorchester, Herbert Blomstedt
(Accentus Music)
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