Horrortrip: Dvořáks Geisterbraut mit Simona Šaturová

Horrortrip: Dvořáks Geisterbraut mit Simona Šaturová

Antonin Dvořáks Kantate Die Geisterbraut von 1885 ist außerhalb Tschechiens kaum bekannt. Sie basiert auf einer Ballade des Lyrikers Karel J. Erben, dessen Schauermärchen Dvořák auch zu seinen späten sinfonischen Dichtungen inspirierten. Ein lange vermisster Liebhaber kehrt als Zombie zu seiner Braut zurück und entführt sie auf einen nächtlichen Horrortrip, bei dem sie fast in einem Grab landet. Die hochdramatische Handlung kommentieren ein Chor und ein baritonaler Erzähler, während das bizarre Brautpaar in vier Liebesduetten und zwei großen Arien für lyrische Kontrapunkte sorgt. Die enorme Suggestivität der neuen Aufnahme des ORF Symphonieorchesters unter Cornelius Meister verdankt sich aber nicht nur der großen idiomatischen Sicherheit des 37-jährigen Dirigenten und seiner „kakanisch“ geprägten Wiener Musiker, sondern auch dem punktgenauen, lebendigen Einsatz der bestens eingestellten Wiener Singakademie, die neben den exzellenten tschechischen Vokalsolisten als vierter dramatischer Akteur die Handlung vorantreibt. Simona Šaturová gestaltet mit feinem, lyrischem Timbre die zärtliche Naivität des Mädchens, während Pavol Breslik seine Dämonie hinter verführerischem Schmelz verbirgt. In diesem Konzertmitschnitt stimmt einfach alles, und man fragt sich, warum ein solches Juwel so selten gespielt wird.

Dvořák: „Die Geisterbraut“, Simona Šaturová, Pavol Breslik, Adam Plachetka, ORF Vienna Radio Symphony Orchestra, Cornelius Meister
(Capriccio)
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