Schlichte Poesie: Janina Fialkowska spielt Chopin

Schlichte Poesie: Janina Fialkowska spielt Chopin

Artur Rubinstein, der Janina Fialkowska 1974 zum ersten Mal hörte, nannte sie spontan „eine geborene Chopin-Interpretin“. Mittlerweile hat die 1951 geborene Kanadierin die ganze Welt mit ihrem hochintelligenten Chopin- und Liszt-Spiel erobert. Das hochkomplexe Spätwerk Chopins bildet mit der experimentellen Polonaise-Fantaisie, dem vierten Scherzo und der vierten Ballade das thematische Grundgerüst ihres dritten „Chopin-Recitals“, und sie werden durch kleinere Formen wie Nocturnes, Walzer und Preludes zu einer poetischen Traumreise verbunden, ja durch Fialkowskas charismatische Erzählkraft sogar zu einem Seelen-Seismogramm Chopins verdichtet. Bravour, Pathos und Parfüm sind ihr dabei völlig fremd, sie zielt rigoros auf die menschlichen Wahrheiten hinter allem Glanz, auf die Inseln tiefer Melancholie und die kleinen oder großen Ausbrüche von Verzweiflung, die sie dann mit bestürzender Geradlinigkeit herausmodelliert. Am meisten aber beeindruckt die schlichte, natürliche, geradezu nackte Poesie ihres Tons, der auf wundersame Weise Wärme mit Klarheit, Gefühl mit Intellekt, Atem mit schnörkelloser Kontur verbindet: Ein Album, das einen nicht mehr loslässt.

„Chopin-Recital 3", Janina Fialkowska
(Atma Classique)
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