Der Cembalo-Rebell: Jean Rondeau

Der Cembalo-Rebell: Jean Rondeau

Jean Rondeau ist der neue Shootingstar in Frankreichs bunter Barockszene. Auf seinem neuen Album unternimmt der 25-jährige Cembalo-Rebell eine Traumreise in die pittoreske, höfisch-zeremonielle und dann wieder exotisch anmutende Fantasiewelt der großen Clavécinisten Jean-Philippe Rameau und Pancrace Royer. Er hat von beiden insgesamt 16 Stücke zu einer dreiteiligen Suite zusammengestellt, die in Akte unterteilt der „Poesie“, der „Musik“ und dem „Tanz“ huldigen. Rondeau preist sie als „Magier, die zu den brillantesten und verrücktesten Genien ihrer Epoche gehörten und versucht haben, auf dem Cembalo das große Theater nachzuspielen“. Und genau dieses „große Theater“ entfacht er dann auf dem wunderbar voluminös und warm klingenden historischen Instrument, das (vermutlich) 1688 gebaut wurde und als Herzstück des südfranzösischen Chateau d’Assas zu den berühmtesten Cembali überhaupt zählt. Was Rondeau ihm an Klangfarben, an unterschiedlichen Stimmungen, Charakteren und Gefühlsextremen abtrotzt, ist schlicht überwältigend: wild aufbrausend und von zärtlichster Poesie, orchestral schmetternd und ätherisch verklärt – eben das ganze Spektrum barocker Leidenschaft. Höhepunkt ist Royers wüste Fantasie Vertigo, ein kompletter Horrorfilm in knapp sechs Minuten, bei dem Rondeau das Instrument und den Zuhörer wahrlich „schwindlig“ spielt: ein Album, das selbst Cembalo-Skeptiker verzaubert.

Rameau, Royer: "Vertigo", Jean Rondeau
(Erato)
Weitere CDs/DVDs zum Künstler
Share

Kommentieren Sie diesen Artikel

*

*

Ihre Email-Adresse wird nicht publiziert. Pflichtfelder sind markiert mit *