Junge Rebellen: Don Giovanni von Jérémie Rhorer

Junge Rebellen: Don Giovanni von Jérémie Rhorer

Mozarts Don Giovanni, den er „Dramma giocoso“ nannte, ist gattungsmäßig eine Opera buffa, freilich eine besonders schwarze, mysteriöse, von tragischen Elementen und der gewaltigsten Todesszene der Operngeschichte durchzogene Komödie: ein Unikat, das weniger von tragischen Monologen, als vom Puls des wirklichen Lebens, ja einem geradezu exzessiven Lebenstrieb durchflutet ist. Nachdem schon in den letzten Jahrzehnten einige Radikalhistoristen klare Gegenposition bezogen hatten gegen die romantische Tradition pathetischer Langsamkeit, schlägt sich nun auch der neue Rising Star der französischen Originalklangszene, der 44-jährige Jérémie Rhorer mit seinem exzellenten, mit fünfzig Topmusikern besetzten Cercle de l’Harmonie und atemlosen Tempi auf die Seite der Aufklärer: Die hellwache, auf schlanke Transparenz getrimmte Truppe übernimmt dabei mit choreographischer Präzision den Hauptpart eines hochtourigen dramatischen Motors, während das durchwegs jugendliche, aber nicht immer Spitzenniveau bietende Solistenensemble doch Mühe hat, die hohen technischen und gestalterischen Anforderungen Mozarts so souverän und charismatisch umzusetzen, wie man es früher einmal gewohnt war: Jean-Sébastien Bou in der Titelpartie und der Kanadier Robert Gleadow (als Leporello) versprühen noch am meisten szenische Präsenz, ebenso die Griechin Myrto Papatanasiu als jugendlich-intensive Donna Anna. Neben allem szenischen Drive enthüllt dieser Live-Mitschnitt auch die Grenzen heutigen Mozart-Gesangs.

Mozart: Don Giovanni. Bou, Gleadow, Papatanasiu, Boulianne, Behr, ­Choeur de Radio France, Le Cercle de L’Harmonie, Jérémie Rhorer
(Alpha)
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