Renaud Capuçon: Esprit und Leidenschaft

Renaud Capuçon: Esprit und Leidenschaft

Ich bekenne, ein Sammler ungewöhnlicher (meist fremdsprachlicher) Aufnahmen der „Winterreise“ zu sein – freilich ohne die Aussicht, den Zyklus je selbst singen zu können. Der Geiger Renaud Capuçon dagegen hortet Aufnahmen des Violinkonzerts op. 77 von Johannes Brahms. Sein Liebling: eine Einspielung des Franzosen Christian Ferras mit den Wiener Philharmonikern, die vor beinahe sechzig Jahren entstand. Und sein Traum: seit er 17 war, wollte er der nächste Franzose sein, der mit den Wienern auftritt. Bitteschön! Das Violinkonzert von Alban Berg suchte man in der Diskografie der Wiener bisher vergebens, also hat Capuçon das auch gleich noch mit abgehakt. Seine Interpretationen sind leidenschaftlich expressiv, der Ton opulent-saftig, die Intonation nicht immer ganz rein. In der Kreisler-Kadenz hört man den Solisten gar leise stöhnen. Aber so sind sie, die Franzosen – n‘est-ce pas? Ein leidenschaftlicher Kontrapunkt zu den technisch perfekten, bis zur Langeweile desinfektionierten Einspielungen unserer Zeit.

Renaud Capuçon: Violinkonzerte
Virgin Classics (EMI)
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