„Russian Impulse – Rachmaninow, ­Prokofjew, Kapustin“

„Russian Impulse – Rachmaninow, ­Prokofjew, Kapustin“

Rachmaninows späte Corelli-Variationen op. 42 zählen zu seinen großartigsten Arbeiten, und verwenden das berühmte barocke „Folia“-Thema zu einer melancholisch-bizarren Traumreise durch die dunklen Bezirke der russischen Seele.Nur wenige Pianisten haben diesem Meisterwerk bislang Beachtung geschenkt und es dann meistens als Virtuosenstück verkannt. Jetzt hat die 26-jährige Französin Fanny Azzuro den 20-teiligen Zyklus rigoros aus dem Dornröschenschlaf gerissen, und ihm mit Prägnanz, mit kontrollierter Leidenschaft und gebündelter Gestaltungskraft seine starke menschliche Physiognomie, also inneres Feuer, agogische Kraft, und den für Rachmaninow so typischen dunklen Zauber zurückgegeben: Azzuros besondere Gabe des beredten Gestaltens, der prägnanten Charakterisierung und einer vom Tanz inspirierten sinnlichen Agogik befreit auch Prokofjews kontrastreiche sechste Sonate von 1939 vom Panzer eines allzu grellen, schroffen Zeitstücks. Auch hier öffnet sie mit rhetorischem Gespür den inneren Reichtum an wechselnden Stimmungen und Farben. Mit den halsbrecherischen Variationen op. 41 des Jazz-Tüftlers Nikolai Kapustin verleiht sie ihren ernsten „russischen Impulsen“ einen heiteren Ausklang. Fazit: ein starkes Debüt einer hochbegabten Pianistin.

Fanny Azzuro: Russian Impulse
Paraty (Harmonia Mundi)
Weitere CDs/DVDs zum Künstler
Share

Kommentieren Sie diesen Artikel

*

*

Ihre Email-Adresse wird nicht publiziert. Pflichtfelder sind markiert mit *