Schubert „Späte Klavierstücke“

Schubert „Späte Klavierstücke“

Beethovens Schatten lastete lange auf den nachfolgenden Komponistengenerationen: Selbst Schubert konnte sich erst spät davon befreien und seinen „eigenen Weg“ einschlagen als eigentlicher Brückenbauer zur Romantik. Dennoch fällt es Pianisten bis heute schwer, Schuberts eigenen, schutzlosen Ton zu treffen. Der 28 Jahre alte Koreaner William Youn, der in München lebt, ist ein solches seltenes poetisches Talent, das mühelos in die lyrischen Traumwelten Schuberts einzudringen vermag: Sein drittes Album hat er späten Klavierstücken gewidmet, in denen sich Schubert von Beethovens Formensprache, aber auch von dessen schroffem Ton gelöst hatte und Youn trifft da mit traumwandlerischer Sensibilität den ganz anderen, leicht verschatteten, zwischen Aufbruch und Depression schwankenden Ton des späten Schubert. Dabei geht es ihm darum, die unterschiedlichen Satzcharaktere der drei nachgelassenen Klavierstücke D 946 und der späten Impromptus D 935 plastisch und suggestiv herauszumodellieren, und sie nicht als „verkappte“ Sonaten auszuweisen. So staunt man über die orchestrale Kraft und das Zukunftspotenzial, das Youn diesen späten Miniaturen mit druckvollen Tempi abtrotzt, und sie so auch nachdrücklich vom Hauch des Todes befreit.

William Youn: Schubert: Klavierstücke D 946/Allegretto D 915/Impromptus D 935/Valses Nobles D 969
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Kommentare

  1. Peter Schneider
    14. März 2014 at 08:13

    Heute wurde in WDR 3 Hörfunk das Impromptu Nr.4 f-moll gespielt. Ich kann dem Rezensenten nur Recht geben. Die Interpretation von Youn ist mitreißend und einfach nur großartig. Habe mir die CD gekauft. Bin gespannt auf die anderen Stücke auf der CD.

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