Engelsgesang: Thomas Albertus Irnberger spielt Beethoven

Engelsgesang: Thomas Albertus Irnberger spielt Beethoven

Trotz seines Bekanntheitsgrades umgibt Beethovens Violinkonzert noch immer eine Aura des Geheimnisvollen, die vor allem von den fünf einleitenden Paukenschlägen ausgeht: Sie künden ganz leise etwas Besonderes an, das dann durch die ständigen Höhenflüge der Solovioline eine übernatürliche, fast himmlische Schönheit gewinnt. Thomas Albertus Irnberger, der das Konzert jetzt in einer exzellenten Neueinspielung vorgelegt hat, vertritt die hochinteressante These, dass es sich bei dem am 23. Dezember 1806 uraufgeführten Werk tatsächlich um eine Art Weihnachtskonzert handeln könnte, das auf einem schlesischen Weihnachtslied basiert und das dem Solisten die Rolle des Engels zuweist, der den Menschen die frohe Botschaft verkündet. Die eigentliche Überraschung ist aber, dass er diese neue, christlich-humanistische Sicht auch in seiner Interpretation konsequent umsetzt und seinen Part als großen, überirdisch schönen Menschheitsappell begreift, bei dem sich Noblesse, Intensität, Empfindsamkeit und Klarheit die Waage halten, und sich so auf eine fast altmodische Art charismatische Kräfte entfalten. Damit trotzt Irnberger mutig aller heute üblichen virtuosen Egomanie, setzt sich aber auch klar ab von aller „historisch orientierten“ Sprödigkeit. Auf einer zweiten SACD gibt es noch das Tripelkonzert, als dramatische Konversation mit illustren Mitspielern.

Beethoven: „Violinkonzert, ­Tripelkonzert, Romanzen“ Thomas Albertus Irnberger, Royal Philharmonic ­Orchestra, James Judd, David Geringas, Michael Korstick
(Gramola)
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