Vision der Freiheit: William Tell am Royal Opera House

Vision der Freiheit: William Tell am Royal Opera House

Bei ihrer Premiere im Royal Opera House am 29. Juni 2015 sorgte Damiano Michielettos Inszenierung des Wilhelm Tell für einen Skandal. Stein des Anstoßes: die zweite Szene im dritten Akt, in der – in dieser Interpretation – eine Schweizerin von einer Horde österreichischer Soldaten ausgezogen und vergewaltigt wird. Nun kann man sich trefflich darüber streiten, was die Oper „darf“ – oder vielleicht sogar muss. Unstrittig ist jedoch: Alle Mitwirkenden dieser Produktion waren großartig, allen voran Gerald Finley als Tell und Sofia Fomina als sein etwas tapsiger jugendlicher Sohn Jemmy. Antonio Pappano lässt über Rossinis musikalischer Naturmalerei die Sonne aufgehen, und die Inszenierung sprüht vor guten Ideen. Dem Kerngedanken der Entwurzelung, veranschaulicht durch einen riesigen umgestürzten Baum, und der Darstellung militärischer Unterdrückung, wird im Finale die Vision eines Lebens in Freiheit gegenübergestellt. Absolut sehens- und hörenswert!

Rossini: „William Tell“, Finley, Byström, Osborn, Shkosa, Fomina, Orchestra of the Royal Opera House, Antonio Pappano
(Opus Arte)
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