“Met-Couture” – Jacken, Hüte und Seiden-Schals von den Kostümbildnern der Met

Die Kostümbildner der Oper mit ihren Werkstätten sind die Couturiers der Bühnenstars. Doch ihr Alltag ist der von künstlerischen Grubenpferden, die das Licht der Scheinwerfer nicht sehen. Und das gilt für alle Häuser weltweit von Dresden bis Sydney. Wenn es hoch kommt, präsentiert man einzelne Verantwortliche im Schlussreigen eines Premierenvorhangs. Ansonsten sind die vielleicht vielseitigsten SchneidermeisterInnen der Welt No Names, vom Publikum nicht oder kaum wahrgenommen.

Peter Gelb, der Intendant der Metropolitan Opera New York, hat sich nun etwas Besonderes einfallen lassen. Auf seine Initiative hin mündet nun die Kreativität seiner New Yorker Opernschneiderei in eine eigene Couture-Kollektion. Statt langweiliger CD-Krabbelkästen, klappriger Postkartenständer und schlecht beleuchteter Vitrinen mit gebrandetem Andenkenkitsch finden sich im Shop der MetOpera rechts von den Tageskassenhäuschen nun blitzende Kleiderstangen mit aufregenden Jacken und Kleidern, elegante Ständer mit raffinierten Hüten und Mützen und aufgeräumte Regale mit kleinen Accessoires.

Handtaschen aus einer Bohème-Inszenierung gehören genauso dazu wie die Königsritter-Mäntel aus Anna Bolena in einer Cape-Version für Kinder (21 $). Eine Pagliacci-Kurz-Jacke von Richard Tsao aus Seide mit bunten Knöpfen ist ein absoluter Hingucker bei den Apparel-Artikeln. Geradezu von höfischer Eleganz ist eine lange, schwarze Samtjacke in schwarz mit pinkfarbenen Abnähern aus einer Otello-Inszenierung. Eine lange, farbenfrohe Jaquardmuster-Jacke aus „Rusalka“ könnte besonders russischen Millionärsfreundinnen gefallen, während das hochgeschlossene, aber durchgeknöpfte Modell „Butterfly“ mit seinen floralen Fantasieornamenten eher fernöstliche Männerfantasien beflügelt. Mit einem roten Umhang aus „Carmen“ könnte auch die züchtigste Bible-Belt-Hausfrau, die sich für ein Erlebnis-Wochenende in die Ostküstenmetropole getraut hat, zumindest optisch zur lasziven Femme fatale werden. Die Carmen-Kreation kostet knapp 300 $, die Preise für die Abendjacken nach Bühnenvorbildern liegen bei 130-350 $. Schon für 30 $ ist ein breiter, kurzer Persianer-Schal zu haben, der im Puccini-Stil der 20er den schlanken Hals vor der Zugluft der Met-Klimaanlage schützt. Die Spitze der Raffinesse sind die operettenhaft langen, schwarzen Abendhandschuhe für nur 30 $, die wohl knapp bis unter schmale Achseln reichen. Dazu noch ein paar Damenstrümpfe mit Naht nach Fledermaus-Vorbild, und der klassisch-orientierte Gentleman denkt: „Mehr braucht es gar nicht…“ Übrigens sind die meisten Artikel auch online beim MetOpera-Shop zu haben, schon ab 125 $ Bestellwert entfallen die Transportkosten innerhalb der USA. Allerdings macht allein das Kostüm noch keinen Sopran, für die volle Wirkung hält sich Frau am besten an Léhars Lustige Witwe: “Lippen schweigen…”

Henry C. Brinker

Share

Kommentieren Sie diesen Artikel

*

*

Ihre Email-Adresse wird nicht publiziert. Pflichtfelder sind markiert mit *