Michael Andreas Häringer: „Ich komponiere lieber große Orchesterstücke.“

Michael Andreas Häringer wurde vor 13 Jahren in Barcelona geboren und schloss bereits sein erstes Musikstudium mit der höchsten Auszeichnung ab. Nebenbei komponiert er – und singt.

crescendo: Michael Andreas, wie bist du zur klasssichen Musik gekommen?  
Michael Andreas Häringer: Schon mit zwei Jahren habe ich zu Hause den ganzen Tag über gesungen. Als ich vier Jahre alt war, fragte meine Mutter einen Freund, was sie mit mir tun solle. Der riet ihr, mich in eine Musikschule zu schicken und dort im Chor singen zu lassen. So kam ich an die Escuela Luthier de Artes Musicales in Barcelona. Dort hatte ich Gelegenheit, Pianisten zu erleben. Ich hörte ihnen beim Spielen zu, das gefiel mir so sehr, dass ich vor meinem fünften Geburtstag meine Mutter bat, Klavier lernen zu dürfen. Sie meldete mich zu einer Probe an und kaufte mir ein erstes kleines digitales Klavier.

Und welche Musik war das, die dich so begeistert hat?
Klassische Klaviermusik.

Du hast auch mit sechs Jahren begonnen, zu komponieren. Welche Stücke hast du da geschrieben?
Meine ersten Kompositionen waren kleine Lieder, manche acht bis zehn Seiten. Ich gab ihnen spanische Titel wie Despedida (Abschied) oder Recuerdos (Erinnerungen). Als ich neun Jahre alt war, starb mein Vater. Danach habe ich ein Jahr lang nicht komponiert.

Und heute?
Heute komponiere ich lieber große Orchesterstücke. Auf einer Tournee durch Katalonien habe ich mit dem Orchester gerade meine achtzigseitige Polonesa gespielt.

Mit acht Jahren wurdest du am Konservatorium von Barcelona aufgenommen. War es schwierig für dich als Kind unter lauter erwachsenen Mitstudenten?
Nein, es war sehr nett, weil alle mich mochten und ich viele Freunde hatte. Nur am Anfang fühlte ich mich ein bisschen komisch. Da war ich noch ganz klein, und es waren lauter Zwanzig- und Dreißigjährige um mich. Später aber fühlte ich mich am Konservatorium sehr wohl. Die sechsjährige Ausbildung konnte ich innerhalb von vier Jahren abschließen.

Hast du Kontakt zu anderen Kindern, die auch Musik machen, oder ist man einsam, wenn man eine so außergewöhnliche Begabung hat?
Ich habe viele Freunde, die Klavier oder Geige spielen, nicht als professionelle Musiker, aber als Hobby. Wenn ich in Barcelona ein Konzert gebe, kommt meine ganze Klasse zum Zuhören.

Du hattest schon viele Auftritte. Bereitet es dir Freude, vor Publikum zu spielen?
Ja, ich liebe das sehr. Mein größtes Konzert war in Luzern. Da habe ich vor 2000 Zuhörern gespielt. Das hat mir sehr gefallen.

Hast du ein Lieblingsstück, das du besonders gerne spielst?
Ja, die Tarantella Venezia e Napoli von Liszt.

Du befasst dich ja auch mit Pop-Musik …
Als Hobby mag ich es, Pop- und Hip-Hop-Songs zu komponieren und zu singen. Aber mein Beruf soll das nicht werden. Ich möchte beim klassischen Klavier und beim klassischen Komponieren bleiben.

Bei deinem Konzert im Münchner Gasteig am 21. Oktober trittst du mit einem klassischen Programm auf? Was wirst du spielen?
Den ersten Teil beginne ich mit Bach, gefolgt von Beethoven. So setze ich meistens ein. Letztes Jahr spielte ich eine Partita von Bach und dann die Waldstein-Sonate. Dieses Jahr spiele ich das Italienische Konzert und die Sonate Der Sturm. Danach spiele ich die Komposition Sonrisa del Mediterraneo von mir, die ich schon oft gespielt habe und die vom Publikum sehr gemocht wird. Nach der Pause spiele ich Stücke von Mendelssohn, Chopin und Liszt. Ich schließe immer gerne mit einem „harten“ Stück. Das wird diesmal die Ungarische Rhapsodie Nr. 2. Und wenn es dem Publikum gefällt, spiele ich am Schluss noch Stücke, die ich gerade komponiere.

Michael Andreas Häringer

Michael Andreas Häringer begann mit fünf Jahren Klavier zu spielen und wird seither vom russischen Pianisten Professor Gennady
Dzubenko unterrichtet. 2008 hatte er seinen ersten öffentlichen Auftritt. Im Jahr darauf wurde er am Conservatorio Municipal de Música de Barcelona aufgenommen, das er im Juni als jüngster Absolvent mit der höchsten Auszeichnung abschloss.
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