Musik hören ohne CD!

(Pioneer SC-LX87)

Beim Audio-Streaming gelangt Musik aus dem Internet oder Heimnetzwerk selbst auf ältere Stereoanlagen. Die hierfür nötige Technik ist bezahlbar und leicht zu beherrschen.

Die CD? Völlig überflüssig. Nicht einmal mehr eine Musikdatei auf dem PC oder MP3-Spieler benötigt derjenige, der über das Internet ferne Computerserver anzapft und über einen permanenten Datenstrom seine HiFi-Anlage mit Musik versorgt. Genau so funktioniert das „Streaming“ – die Musik wird geladen, übertragen und sogleich abgespielt. Im Gegensatz zum Musikdownload landet also keine Datei auf der Festplatte des Nutzers. Zum Streaming benötigt der Klassikfreund nur einen Anbieter für diesen Dienst sowie ein geeignetes Empfangs- bzw. Abspielgerät, damit Musik aus der Datenwolke herabregnen kann. Entweder erklingt jedes Stück auf Wunsch, so als würde er zu Hause eine CD einlegen, oder er hört ein von einem Internetsender festgelegtes Programm, als würde er das Radio einschalten.

Das alles mag vielleicht ein wenig kompliziert und abstrakt klingen, ist aber einfacher, als mancher denkt. Viele Menschen haben bereits eine fürs Streaming ausreichende Hardware zu Hause, ohne diese dafür zu nutzen. Schon ein Computer mit Internetanschluss, den ich mit der Stereoanlage verbinde, kann genügen, um Musik aus dem Netz zu hören. Aber natürlich gibt es noch viel elegantere und praktischere Wege, Streaming zu nutzen. Der einfachste Weg ist es, am Computer über den Browser die Adresse eines Web-Radios aufzurufen. Dies können exotische Angebote weltweiter Herkunft sein. Aber auch viele herkömmliche Radiostationen wie Klassik Radio und öffentlich-rechtliche Sender wie MDR Klassik und BR Klassik bieten auf ihren Internetseiten einen Link, über den man das laufende Programm online hören kann. Allerdings läuft dann immer nur die Musik, die das Programm vorsieht.

Ihr Wunschprogramm aus dem Netz

Wer seine Titel selbst auswählen möchte, muss sich bei einem oder mehreren der vielen Streaming-Anbieter wie Simfy, Spotify, Deezer, Napster oder Naxos Music Library anmelden. Bei ihnen kann der Klassikliebhaber die Musik abrufen, die er gerade hören möchte. Und das Angebot ist keineswegs klein: Bis zu 25 Millionen Titel stellen einzelne Anbieter bereit – und bis zu 2 Millionen davon sind klassische Musik bekannter Labels. Die Dienste kosten allerdings fünf bis zehn Euro pro Monat, nur vereinzelt kann man sie auch gratis nutzen, wer Werbung, eine geringere Klangqualität oder andere Einschränkungen akzeptiert. Gegen Gebühr erhält man das Recht, seine Lieblingsmusik jederzeit abzurufen. Dafür muss man nicht zwangsweise immer online sein. Einzelne Dienste bieten einen so genannten Offline-Modus an, dann wird die Musik vorübergehend gespeichert. Zudem muss man bei den meisten Anbietern eine kleine Software installieren, um den Dienst nutzen zu können.

Aber wie kommt nun die Musik vom Computer auf die Stereoanlage? Am einfachsten über ein Kabel. Die simpelste Lösung hierfür ist ein Audiokabel mit Klinkenstecker, das den Audioausgang des Computers mit dem AUX-Eingang der Stereoanlage verbindet. Verfügt der PC oder das Notebook über keinen Audioausgang, kann man auch den Kopfhöreranschluss hierfür nutzen. In einigen  Fällen ist vielleicht ein Adapter nötig, zum Beispiel, wenn die Stereoanlage nur über einen AUX-Eingang für zwei Stereo-Cinch-Stecker verfügt, von denen meistens einer rot und der andere weiß ist. Um die Musik an der Stereoanlage zu hören, muss man an der Hifi-Anlage „AUX“ als Quelle oder Zuspielgerät einstellen. Verfügen PC und Stereoanlage über digitale Audio-Ein- und Ausgänge, können auch diese verwendet werden.

Viel praktischer ist es allerdings, Streaming-Musik ohne Computer und sogar ohne Kabel zu nutzen. Über das heimische WLAN lässt sich auch ein Tablet-PC oder ein Smartphone für den Zugang zum Internet nutzen. Spezielle Apps stellen viele Streaminganbieter hierfür zur Verfügung. Die mobilen Geräte lassen sich wie der PC über ein Kabel an jede Stereoanlage anschließen. Bei neueren Geräten kann man oft auch eine kabellose Verbindung via Bluetooth-Funk herstellen.

Moderne Hifi-Anlagen und Receiver sind heute oft schon für das Streaming-Zeitalter vorbereitet. Sie verfügen über einen Anschluss fürs Internet oder integriertes WLAN. Teilweise ist der Zugriff auf Streaming-Dienste sogar bereits vorinstalliert, so dass man diese nach dem Kauf testen darf und sich bei Gefallen später nur noch anmelden muss. Die Verbindung zum Internet stellen solche Geräte selbst her – ein Computer, Tablet-PC oder Smartphone ist nicht mehr nötig. Für den Anschluss an den Router oder das Modem gibt es drei Möglichkeiten: Zunächst entweder über ein Netzwerkabel (Ethernet) oder via WLAN. Besitzt das Gerät keinen integrierten WLAN-Empfänger, kann man einen solchen in der Regel für wenig Geld extern nachrüsten. Die dritte und weniger bekannte Option ist Powerline. Dabei verwendet man die Kabel des heimischen Stromnetzes zur Datenübertragung. Für eine Powerline-Verbindung müssen zwei Adapter in beliebige Steckdosen gesteckt werden. Einer wird per Netzwerkkabel mit dem Router, der andere mit der Musikanlage verbunden. Einige Adapter erzeugen auch ein WLAN, so dass man den Signalweg zum Abspielgerät auch kabellos einrichten kann.

Auch die eigene Musik kann man streamen

Wer seine alte Hifi-Anlage ohne PC fürs Streaming nutzen möchte, findet in einem Netzwerkplayer wie den Raumfeld Connector (s. links) eine Lösung. Er verbindet jede Hifi-Anlage mit dem Internet. Auch Fernseher mit der Smart-TV-Funktion können fürs Streaming genutzt werden. Die radikalste technische Lösung stellen jedoch Geräte wie das System von Sonos dar (s. unten), das spziell fürs Musikstreaming entwickelt wurde. Es bedient sich aber nicht nur im Netz, sondern sieht auch eine private Musikquelle vor.  Schließlich funktiert das Streamen nicht immer nur von einem fernen Server, sondern auch von einer Festplatte im eigenen Heimnetzwerk, die die Musik auf verschiedene Abspielstationen im Haus oder in der Wohnung verteilt. Auf ihr können Musikdateien gespeichert sein, die man im Onlineshop gekauft und herunter geladen hat, oder die man aus den eigenen CDs erstellt hat. So lässt sich in letzter Konsquenz sogar die private Musiksammlung vollständig per Streaming übers Heimnetzwerk nutzen.

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