Opernfestspiele Heidenheim: Der fliegende Holländer

(Opernfestspiele Heidenheim; Foto: Oliver Vogel)

Der Dirigent Marcus Bosch über Wagners Oper, das Geheimnis des Untoten und das Programm der Opernfestspiele.

crescendo: Maestro, die Opernfestspiele Heidenheim zeigen im ehemaligen Rittersaal des Schlosses Hellenstein Richard Wagners romantische Oper Der fliegende Holländer. Was bewog Sie zu dieser Wahl?
Marcus Bosch: Der fliegende Holländer passt mit seiner Schauerromantik wunderbar in die Schlossruine. Es ist eines meiner favorisierten Stücke, und es war an der Zeit, wieder eine deutsche Oper auf den Spielplan zu setzen. Als sich die Möglichkeit bot, erneut mit dem Regisseur Georg Schmiedleitner zusammenzuarbeiten, fiel die Entscheidung leicht.

Das Motto der diesjährigen Festspiele ist „Geheimnis“. Ist damit auch der Tod umschrieben?
MB: Im Fliegenden Holländer bleibt – wie bei allen Wagner-Opern – vieles offen. Das macht das Faszinosum seiner Opern aus. Der untote Holländer ist in unserer technisierten, konkreten Welt nicht zu greifen. Die Liebe zu Senta ist etwas Ungewöhnliches, etwas für uns kaum Fassbares.

Im Galakonzert steht Mahlers Neunte Sinfonie auf dem Programm, die vom Mythos umweht ist, Mahler habe damit seinen eigenen „Abgesang“ komponiert…
MB: Man weiß nicht, inwieweit Komponisten sich selbst und ihre Lebensumstände beschreiben oder ob Ich-Zustände sie dazu bringen, etwas „Herauslesbares“ zu komponieren. Mahlers Sinfonie, und das wird vor allem im letzten Satz deutlich, ist ein Hinübergleiten in eine andere Welt. Diese große transzendente Erfahrung korrespondiert mit der Zwischenwelt, die Wagner im Fliegenden Holländer komponiert.

Den Verdi-Zyklus im Festspielhaus setzen Sie mit der Oper Un giorno di regno fort. Ist sie als heiteres Gegenstück gedacht?
MB: Nicht direkt. Unsere Verdi-Reihe ist chronologisch angelegt. Wir haben uns vorgenommen, Verdis erste neun Opern in dieser konzentrierten, reduzierten Form auf die Bühne zu bringen. Un giorno di regno ist als Verdis erste heitere Oper ein Gegenpol zu dem Spannungsfeld, das Wagner und Mahler aufspannen und in das sich im Chorkonzert in der Pauluskirche auch das Stabat Mater fügt. Dieses geistliche Werk, das Antonín Dvořák unter dem Eindruck seiner drei verstorbenen Kinder schrieb, spiegelt noch eine andere Facette unseres Themas.

Marcus Bosch; Foto: Ulf Krentz

Marcus Bosch; Foto: Ulf Krentz

Auffallend im Festspielprogramm sind mehrere zeitgenössische Werke. Ist die Neue Musik beim Publikum angekommen?
MB: Wir veranstalten diese „Insel“ für Neue Musik alle zwei Jahre. Ich habe das Format unter dem Titel „Zeitgenossen“ ins Festival eingeführt. Artist in Residence ist der Sänger und Sprecher Frank Wörner.

Sie brachten jedes Jahr Neuerungen. Worauf darf man diesmal gespannt sein?
MB: Wir haben die Chorreihe „OH! in der Pauluskirche“ ins Leben gerufen. Damit ist der Chor nicht nur auf der Opernbühne ein fester Bestandteil unseres Festivals, sondern erfügt jetzt über seinen eigenen Konzertplatz.

Musikalisch stehen Ihnen starke Partner zur Seite…
MB: Als ich das Festival übernahm, galt es, die musikalische Qualität zu entwickeln. Ein erster Schritt war es, die Stuttgarter Philharmoniker als Festspielorchester zu engagieren. Es folgten die Gründung der Cappella Aquileia sowie die Verpflichtung des Tschechischen Philharmonischen Chors Brünn als Festspielchor. Darüber hinaus haben wir das Armida Quartett, Dorothee Oberlinger, Sharon Kam und die SWR Big Band eingeladen. Mit Paul Goodwin als Erster Gastdirigent und Mario Venzago stehen hervorragende Kollegen neben mir am Pult. Das Festival wächst und es ist eine große Freude, diese Entwicklung zu gestalten.

Opernfestspiele Heidenheim
18. Juni – 30. Juli 2017
21.6.: Tortuga (Premiere)
30.6. – 2.7.: Zeitgenossen – die Neue Musik der OH!
7.7.: Der fliegende Holländer (Premiere)
27. & 29.7.: Un giorno di regno
(Programmauswahl)
+49-(0)7321-327 77 77
tourist-information@heidenheim.de
www.opernfestspiele.de

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