Salzburg

Foto: Tourismus Salzburg

Festspielpräsidentin Helga Rabl-Stadler zeigte uns ihre ganz persönliche Sicht auf die Mozartstadt, die man zwar zu kennen glaubt, aber immer wieder neu entdecken muss.

Gerade noch weilte man im Mirabellgarten, Brunnenplätschern, Festungsblick und Rosenduft inklusive, schon ist man rechterhand am Landestheater vorbei­spaziert und bei Mozarts Wohnhaus angelangt, dort, wo im Frühjahr die Magnolienbäume blühen und das kleine Museum vom Wirken des großen Komponisten erzählt. Man trinkt einen Verlängerten im netten Hinterhof des Café Classic, dann geht es weiter, denn es naht ein Bilderbuchblick. Da liegt es, das kleine und doch so große Salzburg. Seine Kuppeln glänzen im gleißenden Licht, am Brückengeländer erzählen unzählige Schlösser von Liebesschwüren vergangener Tage, darunter strömt unbeeindruckt die Sal­zach, darüber thront die Festung.

„Wäre Salzburg eine Persönlichkeit, sie wäre ein stolzer Renaissance-Fürst, machtbewusst und festfreudig“, sagt Helga Rabl-Stadler ohne lange nachzudenken, und wenn das jemand beurteilen kann, dann die lebensfrohe und gewandte Powerfrau an der Spitze der Salzburger Festspiele. Seit über zwanzig Jahren lenkt die Präsidentin dort die wirtschaftlichen Geschicke und reist als Managerin und Vertreterin eines der wichtigsten internationalen Klassikfestivals um die Welt. Im Herzen jedoch ist sie Salzburgerin durch und durch geblieben, und wandelt sie durch die Gassen oder blickt sie aus ihrem großen Büro in der Hofstallgasse auf die schmucke Universitätsfassade direkt gegenüber, spürt man die respektvolle Liebe zu einer Stadt, die mit jedem Stein Geschichte erzählt und Kultur atmet.

1948 wurde Helga Rabl-Stadler hier geboren, nach dem Studium der Rechtswissenschaften verschlug es sie für einige Zeit nach Wien, wo sie als Journalistin arbeitete, bevor sie wieder in ihre Heimatstadt zurückkehrte, um dort das Familienunternehmen Resmann zu erhalten. Bald darauf nahm sie auch politische Funktionen wahr, wurde Vizepräsidentin, dann Präsidentin der Wirtschaftskammer Salzburg, zudem saß sie für die ÖVP im Nationalrat. 1995 schließlich wurde sie zur Präsidentin der Festspiele ernannt, bereits viermal wurde ihr Vertrag verlängert. Während der Intendant die inhaltlichen Ideen entwickelt, ist die Präsidentin für deren finanzielle Umsetzung verantwortlich. Sie verwaltet die Gelder, akquiriert die Sponsoren und behält darüber hinaus die Contenance, auch dann, wenn die Egos der Künstler, Kritiker oder Mäzene einmal in Wallung geraten. 

"Wäre Salzburg eine Persönlichkeit, sie wäre ein stolzer Renaissance-Fürst, machtbewusst und festfreudig"
Etliche Male hat Helga Rabl-Stadler angesichts von Querelen und Umbrüchen in den vergangenen zwei Jahrzehnten ihrem Ruf als Meisterin der Diplomatie und des sprachlichen Feinschliffs alle Ehre gemacht. Eine Belastung, die einen manchmal an die Grenzen bringt? Kaum. „Ich habe kein Talent zur Frustration“, sagt Helga Rabl-Stadler und lacht. „Das hilft mir oft, die lästigen Dinge nicht zu nah an mich heranzulassen“. Wird ihr der Trubel doch einmal zu viel, dann besucht sie eine der vielen ruhigeren Ecken der Stadt, die neben den Hauptplätzen und Kultstätten den besonderen Zauber Salzburgs ausmachen: die malerische Wallfahrtskirche Maria Plain zum Beispiel, der mystische Sebastiansfriedhof oder die einsamen Wege über den Mönchsberg oder den Kapuzinerberg, auf denen man sich – nur wenige Meter von der Altstadt entfernt – mitten in der Natur wiederfindet. Gerade wenn sich zwischen Frühling und Herbst Scharen von Touristen in der Getreidegasse drängen, um ein Selfie vor Mozarts Geburtshaus zu erlangen, lohnt die Flucht hierher, um in Ruhe den eindrucksvollen Blick von oben zu genießen.

Für Salzburg mit seinen gerade mal 150.000 Einwohnern sind die Festspiele die Lizenz zur Kulturmetropole von Weltrang. „Salzburg ohne die Festspiele wäre eine Kleinstadt. Durch die Festspiele wird Salzburg zu einer internationalen Stadt, zu einem Brennpunkt der Kunst“, so Rabl-Stadler. Alljährlich ist diese Wandlung wieder aufs Neue zu erleben. Sobald die Festspiele laufen, „ändert sich die Temperatur in der Stadt“, sagt Rabl-Stadler, und finden in sechs prall gefüllten Sommerwochen mehr als 200 Veranstaltungen an verschiedensten Spielorten statt. Das Herz des Festivals pocht neben den zahlreichen weiteren Stätten dabei im „Festspielbezirk“ mit dem Haus für Mozart, der Felsenreitschule, dem großen Festspielhaus, der Kollegienkirche und schließlich dem Domplatz mit dem für Rabl-Stadler „schönsten Bühnenbild der Welt“. 1920 wurde hier zum ersten Mal Hugo von Hofmannsthals Jedermann aufgeführt und bis heute gehören die Darbietungen des Kultstücks vor der erstrahlten Domfassade zu den Höhepunkten des Sommers. Den besten Blick auf den Festspielbezirk hat man von der Dachterrasse des Hauses für Mozart, einem Schmuckstück mit atemberaubender Sicht über die Dächer und Kuppeln der Stadt bis hin zur Festung. 2006 gelang Helga Rabl-Stadler ein Coup, wie ihn nur wenige vermögen: Mit vierzigprozentiger Eigenbeteiligung erreichte sie den Bau des Hauses für Mozart pünktlich zum Jubiläumsjahr. „Auf vielfachen Wunsch einer einzelnen Person“, sagt sie dazu trocken und beginnt zu lachen. Gearbeitet habe sie dafür damals Tag und Nacht.

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