Schostakowitsch Tage 2017: Uraufführungsgenuss
an der Elbe

(Dmitri Schostakowitsch; Foto: Association Internationale Dimitri Chostakovitch Paris)

Rassig russisch geht es zu bei den diesjährigen Schostakowitsch Tagen im sächsischen Gohrisch: Da kommen Werke von Schostakowitschs Freund Mieczysław Weinberg ebenso zu Gehör wie von seiner Schülerin und der Grande Dame der Komponistenszene Sofia Gubaidulina.

Dmitri Schostakowitsch selbst nannte ihn „einen der hervorragendsten Komponisten der heutigen Zeit“: seinen Kollegen und Freund Mieczysław Weinberg (1919–1996). Weltweite Bekanntheit erlangte der polnische Tonkünstler erst im Laufe der letzten Jahre. Die Internationalen Schostakowitsch Tage Gohrisch, die seit 2010 in enger Zusammenarbeit mit der Sächsischen Staatskapelle Dresden am Entstehungsort von Schostakowitschs Streichquartett Nr. 8 veranstaltet werden, widmen seinem umfangreichen OEuvre dieses Jahr bereits zum zweiten Mal einen Schwerpunkt.

Die achte Ausgabe des Festivals findet vom 22. bis 25. Juni 2017 statt – und wiederum darf man auf eine ganze Reihe außergewöhnlicher Entdeckungen gespannt sein. „Wir haben diesmal vier Uraufführungen und eine deutsche Erstaufführung im Programm“, freut sich Tobias Niederschlag, künstlerischer Leiter der Schostakowitsch Tage und Konzertdramaturg der Staatskapelle. „Es gibt also sehr viel Neues zu erleben.“ Wie immer werden sämtliche Künstlerinnen und Künstler ohne Honorar in der Gohrischer Konzertscheune auftreten.

Einen Querschnitt durch das Kammermusikschaffen Weinbergs präsentieren am 24. Juni der Violinist Linus Roth, der Pianist José Gallardo und der Cellist Emil Rovner. Neben der selten gespielten Sonate für zwei Violinen op. 69, an deren Aufführung Dmitry Sitkovetsky als prominenter Gast mitwirkt, steht dabei auch die Uraufführung eines erst vor Kurzem entdeckten Largo für Violine und Klavier auf dem Programm. Ebenfalls uraufgeführt wird beim Abschlusskonzert am 25. Juni die viersätzige Fassung von Weinbergs Kammersinfonie Nr. 2 op. 147. Und nicht zuletzt feiert am 24. Juni sein musiktheatralisches Hauptwerk Die Passagierin in der Dresdner Semperoper Premiere. „Für Weinberg-Fans ist es also ein Muss, an diesem Wochenende nach Dresden und in die Region zu kommen“, meint Niederschlag.

Zusätzlich wird noch eine Schostakowitsch-Zeitgenossin beim diesjährigen Festival erneut in den Fokus gerückt: Sofia Gubaidulina, eine ehemalige Schülerin des Komponisten. Die 85-Jährige amtiert in der Saison 2016/17 bereits zum zweiten Mal als Capell-Compositrice der Sächsischen Staatskapelle. Schon beim Eröffnungskonzert am 23. Juni treffen das Klavierkonzert Nr. 1 op. 12 von Schostakowitsch – in Kammermusikbesetzung dargeboten von der russischen Pianistin Viktoria Postnikova und Mitgliedern der Sächsischen Staatskapelle – und zwei Werke von Sofia Gubaidulina aufeinander. Geschrieben hat sie diese eigens für das renommierte Raschèr Saxophone Quartet: In Erwartung für Saxofonquartett und sechs Schlagzeuger (mit auf der Bühne: das Slagwerk Den Haag) und Verwandlung für Posaune, Saxofonquartett, Violoncello, Kontrabass und Tam-tam. Darüber hinaus wird im Rahmen einer Kammermatinee mit Komponistengespräch (25. Juni) die deutschsprachige Fassung des Satzes Einfaches Gebet aus dem Oratorium Über Liebe und Hass uraufgeführt, den die Komponistin erweitert und für eine Kammermusikbesetzung mit Sprecher bearbeitet hat. Zuvor erläutert Gubaidulina in einem Podiumsgespräch die Hintergründe ihres neuen Werks; außerdem wird ihr bei dieser Veranstaltung der Schostakowitsch-Preis verliehen. Im ersten Teil des Abschlusskonzerts am 25. Juni bringen Elisaveta Blumina, Dmitry Sitkovetsky und Musiker der Staatskapelle zudem ein neues Kammermusikwerk von Sofia Gubaidulina zur deutschen Erstaufführung: Die Pilger für Violine, Kontrabass, Klavier und zwei Schlagzeuger.

Ein großes Highlight dürfte auch die Uraufführung bisher noch nie gehörter Schostakowitsch-Klänge darstellen: Mitglieder der Sächsischen Staatskapelle Dresden werden beim Abschlusskonzert unter Thomas Sanderling nachgelassene Fragmente aus Schostakowitschs Oper Die Nase op. 15 vorstellen. „Diese Orchesterzwischenspiele wurden wahrscheinlich vor der Premiere der Oper 1930 aus Zeitgründen gestrichen und sind somit nie im Druck erschienen“, erklärt hierzu Tobias Niederschlag.

Eine weitere Besonderheit erwartet die Besucher am 24. Juni, wenn der Pianist Alexander Melnikov in einem zweiteiligen Klavierrezital die 24 Präludien und Fugen op. 87 von Schostakowitsch zum Besten gibt. Der fast drei Stunden dauernde Zyklus, den Schostakowitsch nach seinem Besuch des Leipziger Bachfestes 1950 komponierte, ist Niederschlag zufolge „in Gohrisch seit Langem überfällig“. Die Konzertscheune sei für seine Aufführung der ideale Raum.

Neu ist außerdem das Sonderkonzert der Sächsischen Staatskapelle in der Dresdner Semperoper am Vorabend des Festivals, mit dem erstmals auch die groß besetzte Symphonik in das Programm Einzug hält und das von nun an jährlich stattfinden soll. Gennady Rozhdestvensky, Träger des Schostakowitsch-Preises 2016, wird hier 2017 mit Schostakowitschs Sinfonie Nr. 1 f-Moll op. 10 und der Sinfonie Nr. 15 A-Dur op. 141 den tiefgründigen Kosmos des Komponisten umreißen.

Schostakowitsch Tage
22. bis 25. Juni
Informationen und Kartenservice:
Tel.: +49-(0)35021-661 66
Fax: +49-(0)35021-661 55
tickets@schostakowitsch-tage.de
www.schostakowitsch-tage.de

Share

Kommentieren Sie diesen Artikel

*

*

Ihre Email-Adresse wird nicht publiziert. Pflichtfelder sind markiert mit *